PDG Claudia Hendry erlebte auf der Distriktskonferenz in Zypern, wie 260 Menschen die Geopolitik hinter sich liessen, um schlichtweg das Leben zu feiern.
Neun Länder, drei Kontinente, unzählige Konflikte.
Wer den Distrikt 2452 auf der Landkarte sucht, blickt auf ein politisches Faltengebirge. Armenien, Bahrain, Zypern, Georgien, Jordanien, Libanon, Palästina, Sudan und die Emirate. Hier beben die Verwerfungen der Gegenwart, hier ziehen sich scharf bewachte Zonen und harte Grenzen durch Landschaften und Biografien. Man erwartet bei einer Konferenz dieser Nationen unweigerlich diplomatische Vorsicht.
Das Gegenteil war der Fall. Die Realität in Larnaca setzte diese Gesetzmässigkeiten vom 21. bis 23. Mai ausser Kraft. PDG Claudia Hendry und ihr Mann Daniele erlebten als Vertreter des RI-Präsidenten hautnah, wie mehr als 260 Teilnehmer die scheinbar unüberwindbaren Distanzen in gemeinsamen Tänzen, lebhaften Tischrunden und festen Umarmungen auflösten. «Die Lebensfreude und Herzlichkeit war unbeschreiblich», so Hendry. Sie, die im Laufe ihrer rotarischen Karriere schon so viele Orte gesehen und Veranstaltungen besucht hat, kehrte aus Larnaca staunend zurück: «Es entfaltet eine enorme Wucht, wenn Menschen aus akuten Spannungsgebieten so unmittelbar zusammenkommen.»
Zypern bildete dafür die treffendste Kulisse. Auf der Insel ruht die Patina jahrzehntelanger Zerrissenheit. Umso bemerkenswerter ist, dass Rotary dort als einzige NGO ganz pragmatisch Projekte über die Grenzlinie zwischen dem türkisch-zypriotischen Norden und dem griechisch-zypriotischen Süden hinweg realisiert. Frieden verliert hier seine abstrakte Unnahbarkeit und wird zum Handwerk.
Das Engagement der 95 Rotary- und 55 Rotaract Clubs des Distrikts beweist immense Resilienz; die Konferenz in Larnaca bündelte diese Energie. Jeder Tanzschritt, jedes geteilte Essen war ein beharrlicher Abbau innerer Checkpoints. Ein gelebtes Modell einer Welt ohne Grenzen.
«Für mich», resümiert Claudia Hendry, «war dies eine der unglaublichsten Erfahrungen im rotarischen Umfeld. Rotary at its best!»