Europa im Gruppenchat

mánudagur, 10. ágúst 2026

vmn

69 Jugendliche, zehn Länder und jeden Tag wieder die entscheidende Frage: Sind noch alle da? Gaby Henzmann vom RC Gösgen-Niederamt hat Rotary-Austauschschüler auf ihrer Europatour von Prag bis Venedig begleitet – und erhielt dabei Einblick in die Kunst, eine internationale Gruppe zusammenzuhalten.

Einmal durchzählen, bitte.

Was bei einer gewöhnlichen Schulreise nach einer einfachen Übung klingt, wird bei 69 Jugendlichen zur verantwortungsvollen Aufgabe. Ist die Gruppe vollständig? Wissen alle, wann und wo man sich wieder trifft? Hat jemand den Gruppenchat übersehen? Und wer braucht gerade keine Ermahnung, sondern ein offenes Ohr?

Gaby Henzmann vom RC Gösgen-Niederamt erlebte diese Fragen während der Rotary-Eurotour 2026 aus nächster Nähe. Als Mitglied der Jugendkommission des Distrikts 1980 begleitete sie die zweite Hälfte der Reise als sogenannte «Chaperone», will heissen: als Begleitperson. Mit dabei waren 69 Austauschschüler aus der Schweiz und aus Ungarn.

Als Henzmann in Prag dazustiess, war die Gruppe bereits seit einer Woche unterwegs. Die erste Etappe hatte in Genf begonnen und über Paris, Brüssel, Amsterdam, Berlin und Dresden bis nach Prag geführt. Von dort begleitete Henzmann die Jugendlichen weiter über Bratislava, Wien, Budapest und Ljubljana bis nach Venedig. Die gesamte Tour dauerte 16 Tage; absolvieren konnte man die gesamte Reise oder eine der beiden Teilstrecken.

Auf dem Programm standen einige der bekanntesten Schauplätze Europas: die Prager Burg, Schloss Schönbrunn in Wien, das Széchenyi-Thermalbad in Budapest, ein Zwischenhalt in Ljubljana und zum Abschluss die Kanäle von Venedig.

Die Sehenswürdigkeiten waren allerdings nur der sichtbare Teil dieser Reise. Das eigentlich Faszinierende geschah dazwischen: beim Einsteigen, an den Treffpunkten, im Gruppenchat und immer dann, wenn 69 unterschiedliche Temperamente einen gemeinsamen Zeitplan einhalten sollten.

Die Mitarbeiter des Reiseveranstalters Belo Europe hielten die Gruppe mit einer Mischung aus Organisationstalent und Menschenkenntnis zusammen. Informationen zu Abfahrtszeiten und Treffpunkten wurden digital übermittelt, die Jugendlichen mehrmals täglich gezählt und die vereinbarten Regeln konsequent kontrolliert. Ebenso wichtig waren nach Henzmanns Beobachtung die persönliche Zuwendung und die Herzlichkeit, mit der das Team den Jugendlichen begegnete.

Diese Kombination war kein Widerspruch, sondern Voraussetzung für das Gelingen. Wo eine grosse internationale Gruppe gemeinsam unterwegs ist, bedeutet Pünktlichkeit mehr als die Einhaltung eines Fahrplans. Sie ist Rücksicht auf alle anderen.

Dazu gehörten klare Vorgaben. Niemand durfte sich eigenmächtig von der Gruppe entfernen, Zeitpläne und Anweisungen waren verbindlich, Alkohol und andere berauschende Substanzen untersagt. Je nach Anzahl der eingesetzten Busse war jeweils eine rotarische Begleitperson vorgesehen.

Für Gaby Henzmann bedeutete die Rolle als Chaperone deshalb weit mehr als blosse Aufsicht. Sie führte Gespräche, half bei einzelnen Entscheidungen und unterstützte die Reiseleitung dort, wo ihre Erfahrung gefragt war. Gleichzeitig beobachtete sie, wie professionell eine Gruppe geführt werden muss, damit aus 69 Einzelnen eine Gemeinschaft werden kann. Auch sie selbst habe dabei viel gelernt, schreibt sie rückblickend.

Am Ende bleiben die Bilder vor dem Belvedere, auf den Strassen der europäischen Hauptstädte und in den Gondeln von Venedig. Was die Fotos nicht abbilden können: Jugendliche aus unterschiedlichsten Ländern sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, haben aufeinander Rücksicht genommen und haben Erinnerungen gesammelt, die ihnen niemand mehr nimmt.

Völkerverständigung, so Gaby Henzmanns Fazit, beginnt bisweilen ganz unspektakulär: mit einer Nachricht im Gruppenchat und der beruhigenden Feststellung, dass beim Durchzählen doch wieder alle da sind.

Ab ins Ausland – oder die Welt zu Gast

Der Rotary Jugendaustausch Schweiz/Liechtenstein sucht Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, die ein Schuljahr im Ausland verbringen möchten. Dort besuchen sie eine öffentliche Schule und leben nacheinander bei mehreren Gastfamilien. Bei der Bewerbung können drei Wunschländer angegeben werden; eine bestimmte Destination lässt sich jedoch nicht garantieren.

Gleichzeitig werden in der Schweiz und in Liechtenstein Gastfamilien gesucht. Sie nehmen einen Jugendlichen aus dem Ausland für einen Teil des Austauschjahres bei sich auf und ermöglichen ihm, den Familienalltag und die hiesige Kultur kennenzulernen. Die Familien werden durch Rotary vorbereitet, geschult und während des Aufenthalts begleitet.

Weitere Informationen und Anmeldung über die Website des Rotary Jugendaustauschs Schweiz/Liechtenstein.

Rotary-Austauschschüler mit Gaby Henzmann im Schlosspark Schönbrunn in Wien