Die medizinische Kosmetikerin und Rotarierin Nathalie Monaco beobachtet seit über zwanzig Jahren die Entwicklung der Schönheitsideale. Vor dem Hintergrund der Demokratisierung der Schönheitspflege, des Einflusses der sozialen Netzwerke und des Strebens nach Wohlbefinden setzt sich die Geschäftsführerin des Instituts The Beauty Corner in Vevey für einen personalisierten Ansatz ein, der den Körper und die Wahl jeder einzelnen Frau respektiert – fernab von Einheitslösungen.
Nathalie, Sie sind medizinische Kosmetikerin und arbeiten mit Hilfe von Spezialgeräten an Zellen. Dabei haben Sie vor etwa zwanzig Jahren mit Nagelpflege angefangen. Hat sich der Beruf stark verändert?
Ja, enorm. Heute gibt es eine riesige Auswahl an Farben und Modellagetechniken: Schablonen, Tips, Acryl, Popits... Der eigentliche Wendepunkt war die Einführung von Gel vor etwa dreissig Jahren. Davor waren künstliche Nägel extrem teuer und einer Elite vorbehalten, insbesondere Filmstars. Nur sehr wenige Menschen übten diesen Beruf aus. Man arbeitete mit Glas- oder Seidenfasern, und die Farbe Rot war praktisch die einzige verfügbare Farbe.
Sie sprechen von einer Elite vor vierzig oder fünfzig Jahren. Heute tragen fast alle jungen Mädchen künstliche Nägel, oft sehr lange.
Das stimmt. Das Gel hat künstliche Nägel für alle zugänglich gemacht, sie haben eine unglaubliche Verbreitung gefunden. Die sehr langen Nägel, die man heute sieht, werden oft mit amerikanischen Tips hergestellt, die direkt auf den Nagel geklebt und dann verziert werden. Das Problem ist, dass viele junge Frauen selbst Produkte aus dem Internet anwenden, die nicht immer den Gesundheitsstandards entsprechen, die in der Schweiz für Fachleute gelten. Bestimmte Inhaltsstoffe wie TPO oder HEMA sind aufgrund von Allergierisiken von Swissmedic verboten.
Die leichte Verfügbarkeit hat das, was früher als exzentrisch galt, „normal” gemacht.
Richtig. Was früher nur für besondere Anlässe reserviert war, ist heute zur Norm geworden. Die Menschen sind bereit, beträchtliche Summen in ihre Schönheit zu investieren. Die junge Generation ahmt nach, was sie in den sozialen Netzwerken sieht: übertrieben lange Wimpern, stark geformte Augenbrauen, einheitliche Gesichter. Von den Nägeln über die Wimpern und die Nase bis hin zum Mund ähneln sich Frauen zwischen 20 und 35 Jahren oft sehr. Allerdings steht diese Mode nicht unbedingt jeder. Als Kosmetikerin habe ich die Wahl: dem Trend folgen oder die Person vor mir als Individuum betrachten und sie entsprechend ihrer Morphologie und Persönlichkeit beraten. Ich bevorzuge eindeutig die zweite Option.
Auch manche Männer tragen Nagellack, und das schockiert niemanden mehr.
Das stimmt. Zunächst war dies vor allem in der Musik- und Filmwelt zu beobachten; Schauspieler gehörten zu den ersten, die Nagellack trugen. Heute ist Nagellack – oft in Schwarz oder Beige – nicht mehr nur Stars oder der LGBT-Community vorbehalten. Er ist zu einem Stil geworden, den Männer, die sich trauen, selbstbewusst tragen. Generell wird Maniküre auch von Männern immer häufiger nachgefragt.
Welche weiteren Lifestyle-Trends beobachten Sie?
Das Streben nach vollkommen glatter Haut. Dank Lasertechnologie ist die Nachfrage nach dauerhafter Haarentfernung explodiert, was zu sinkenden Preisen geführt hat. Während die Behandlung eines halben Beins früher fast 2000 Franken kostete, ist sie heute auch für deutlich kleinere Budgets erschwinglich. Junge Menschen sind mit diesem Standard aufgewachsen: Haarentfernung ist alltäglich geworden, auch im Bikinibereich, wo der Trend zu «ganz glatt» geht.
Machen Männer auch mit?
Ja, und sie sind oft sehr eifrig dabei, das gewünschte Ergebnis zu erzielen, sei es am Rücken, im Nacken oder auf der Brust.
Was halten Sie davon, dass Frauen öffentlich ihre Körperbehaarung verteidigen?
Ich kann sie verstehen. vom brasilianischen Bikini bis zum Vollbikini – diese Normen wurden von der Gesellschaft geprägt und haben ihren Ursprung zum Teil in der Pornoindustrie. Sie tragen zu einer standardisierten Vorstellung von der idealen Frau bei: ohne Körperbehaarung, ohne Falten, ohne graue Haare.
Ein Dilemma für Sie als Kosmetikerin?
Die Gesellschaft hat Körper schon immer formatiert, aber der massive Einfluss der sozialen Medien macht mir manchmal Sorgen, vor allem bei jungen Menschen. Manchmal lehne ich bestimmte Anfragen ab, zum Beispiel wenn die Behandlungen für junge Haut zu aggressiv sind. Ich dränge nicht zum Konsum und versuche, meinen Kundinnen zu helfen, sich von diesem Druck zu befreien. Das Wichtigste ist, dass die Behandlungen für sich selbst ausgewählt werden, weil sie Wohlbefinden verschaffen – auch wenn das den Wunsch, dem Partner zu gefallen, nicht aussschliesst.
Erhalten Sie Anfragen nach Botox?
Spritzen sind Ärzten vorbehalten. Als medizinische Kosmetikerin verwende ich Hyaluronsäure mittels Microneedling mit einer Eindringtiefe von 0,4 Millimetern, um die Hautoberfläche aufzupolstern. Aber ich betone immer einen Punkt: Äussere Schönheit ist eng mit innerer Schönheit verbunden.
Was meinen Sie damit?
Die Grundsätze sind einfach: gut schlafen, Stress vermeiden und sich gesund ernähren. Da Lebensmittel heute weniger nährstoffreich sind als früher, empfehle ich das ganze Jahr über Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel wie Kollagen.
Das ist nicht ganz billig.
Alles ist relativ. Ich investiere lieber fünfzehn Franken pro Tag in meine Gesundheit, als sie für Zigaretten auszugeben. Auch über die Nebenwirkungen der Wechseljahre wird zu wenig gesprochen, die durch diese Nahrungsergänzungsmittel gelindert werden können. Frauen gewinnen neue Energie, strahlen wieder und das Gewebe wird straffer. Nach drei Monaten sind die Ergebnisse sichtbar und sehr ermutigend. Ich denke auch an die «Carboxy»-Therapie, die den Hautstoffwechsel durch den sogenannten Bohr-Effekt beschleunigt. Nicht nur die Elastizität und Festigkeit der Haut werden verbessert, sondern auch die Poren werden verfeinert und Blutergüsse gemildert, während das Gleichgewicht des Hydrolipidfilms aufrechterhalten bleibt.
Sie scheinen sehr überzeugt zu sein.
Ja, denn ich liebe es, mich um andere zu kümmern. Beraten, Behandlungen durchführen, für Wohlbefinden sorgen: Das bereichert mich. Ich mag Menschen, den Austausch, Zuhören, das Gefühl, nützlich zu sein. So bin ich auch zum RC Vevey-Montreux-Riviera gekommen.
Nachdem ich an der Solidaritätsaktion "Image et Partage" teilgenommen und mit den Clubmitgliedern gemeinsam gekocht hatte, war ich überzeugt. Im Oktober 2025 bin ich bei Rotary Mitglied geworden.
Was macht eine medizinische Kosmetikerin?
Eine medizinische Kosmetikerin führt Schönheitsbehandlungen und -pflege durch, um das Aussehen und die Gesundheit der Haut zu verbessern oder zu erhalten. Sie behandelt Gesicht und Körper mit manuellen Techniken oder mit Hilfe von Spezialgeräten. Zu ihrem Tätigkeitsbereich gehören insbesondere remodellierende, straffende oder Anti-Stress-Massagen, Lymphdrainagen sowie gezielte Aknebehandlungen wie chemische Peelings, Laserbehandlungen oder Tiefenreinigungen der Haut.
Sie beugt zudem der Hautalterung durch verschiedene regenerative Behandlungen vor: antioxidative Pflege, Kobido-Massagen, LED-Lichttherapien oder andere moderne Techniken.
In der Schweiz unterliegen diese Praktiken strengen Vorschriften, die in der Verordnung zum Bundesgesetz über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung und Schall (O-LRNIS) festgelegt sind. Diese Verordnung regelt die Verwendung von Geräten, die nichtionisierende Strahlung zu ästhetischen Zwecken abgeben, und gewährleistet deren sichere Handhabung. Seit dem 1. Juni 2024 dürfen zwölf Arten von Behandlungen nur von Fachkräften mit einem Fachausweis durchgeführt werden. Diese betreffen insbesondere Akne, Cellulite, Rosazea, gutartige Hautveränderungen, Falten, Narben, Onychomykose, postinflammatorische Hyperpigmentierung, Dehnungsstreifen, Laser-Haarentfernung sowie die Entfernung von Permanent-Make-up und Tätowierungen mit einem nicht-ablativen Laser (ausgenommen den Bereich um die Augen) sowie Laser-Akupunktur.
Nathalie Monaco begann ihre berufliche Laufbahn mit einem eidgenössischen Fachausweis als Parfümerieverkäuferin, bevor sie ihre Ausbildung durch zahlreiche Fortbildungen im Bereich der Ästhetik, darunter auch der medizinischen Ästhetik, vervollständigte. Heute ist sie 54-jährig und hat 2021 die Leitung des Instituts The Beauty Corner oberhalb von Vevey übernommen. Für die Hautpflege verwendet sie ausnahmslos Produkte aus der Schweiz oder Korea.