Leichte Sprache: Mehr als nur einfache Worte

martedì 18 febbraio 2025

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In einer Welt, die von komplexen Informationen und schneller Kommunikation dominiert wird, wird Zugänglichkeit oft zur Herausforderung. Hier kommt die Leichte Sprache ins Spiel: ein Konzept, das nicht nur Barrieren abbaut, sondern auch Menschen einbezieht, die sonst vielleicht ausgeschlossen würden. 

Die Idee der Leichten Sprache hat ihre Wurzeln in den USA. Im Jahr 1996 entwickelte die Organisation "People First", eine Selbstvertretungs-Vereinigung von Menschen mit Lernschwierigkeiten, das Konzept des "Easy Read". Ziel war es, die Rechte dieser Menschen zu stärken und ihnen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dieses Konzept bildete die Grundlage für die Leichte Sprache, wie wir sie heute kennen. Die Zielgruppe ist vielfältig: Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Lernschwierigkeiten oder geringen Lesekompetenzen profitieren ebenso wie Personen, deren Erstsprache nicht Französisch ist. Ein Beispiel: Für viele Geflüchtete kann Leichte Sprache der erste Zugang zu wichtigen Informationen sein. 

Praxis in der Schweiz 

Auch in der Schweiz fand die Leichte Sprache ihren Weg in die Praxis. Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2014 wuchs das Bewusstsein für barrierefreie Kommunikation. Der Kanton St. Gallen veröffentlichte 2015 als erste öffentliche Verwaltung ein offizielles Dokument in Leichter Sprache – ein Bericht zum Gesetz für Menschen mit Behinderung. Organisationen wie Pro Infirmis und insieme Schweiz begannen ebenfalls, Übersetzungen und Inhalte in Leichter Sprache bereitzustellen. Trotz dieser Fortschritte steht die standardmässige Anwendung in der Schweiz noch am Anfang, doch die Bemühungen um mehr Inklusion setzen sich kontinuierlich fort. Leichte Sprache basiert auf klar definierten Prinzipien. Kurze Sätze enthalten nur eine Aussage. Fremd- und Fachwörter werden vermieden oder erklärt. Jedes Wort hat seinen Platz, und jedes Satzglied ist so strukturiert, dass es leicht verständlich bleibt. Auch das visuelle Design spielt eine wichtige Rolle: Typografie, Absätze und sogar die Platzierung von Bildern beeinflussen die Verständlichkeit. Im internationalen Kontext existieren vergleichbare Konzepte wie die «Lingua facile» in Italien. In der französischen Schweiz spricht man von der "Langue facile à lire".

Brücken bauen

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis zeigt die Bedeutung der Leichten Sprache: Die Organisation Pro Infirmis entwickelte eine Serie von Infografiken und kurzen Videos in Leichter Sprache, um Menschen mit kognitiven Einschränkungen über ihre Rechte zu informieren. Themen wie «Welche Unterstützung bekomme ich?» oder «Wie beantrage ich eine Invalidenversicherung?» wurden anschaulich erklärt. Diese Materialien wurden nicht nur von der Zielgruppe positiv aufgenommen, sondern auch von Sozialarbeitenden, die sie im Berufsalltag nutzen, um komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln. Solche Projekte zeigen, wie Leichte Sprache Brücken zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen bauen kann. 

Trotz ihrer Stärken stösst die Leichte Sprache nicht nur auf Begeisterung. Werden Leserinnen und Leser durch die Vereinfachung als «nicht in der Lage» abgestempelt? Diese Debatte zeigt, wie sensibel der Umgang mit Sprache ist und wie wichtig es ist, die Balance zwischen Vereinfachung und Respekt zu wahren.

Eine besondere Herausforderung stellt auch die Übersetzung von Texten in Leichte Sprache dar. Die Auswahl der Inhalte muss sorgfältig getroffen werden, um sicherzustellen, dass Kerninformationen erhalten bleiben. Prüfgruppen, bestehend aus Menschen der Zielgruppe, sind eine bewährte Methode, um die Verständlichkeit der Texte zu gewährleisten. Diese Gruppen geben wertvolles Feedback und helfen, Missverständnisse zu vermeiden.  

Leichte Sprache ist also nicht nur barrierefrei, sondern baut auch Brücken. Gleichzeitig zeigt sie uns, wie komplex das Enfache sein kann und wie wichtig es ist, Kommunikation inklusiv zu gestalten.