Polio-Tour durch Europa – Zwischenstopp in Zürich

giovedì 19 ottobre 2023

red

Rotarier Bashar Asfour, als Kind an Polio erkrankt, tourt aktuell durch 17 europäische Länder. 9000 Kilometer, rund 50 Stopps und tägliche Meetings stehen bei ihm auf dem Programm. Warum er sich das antut? Bashar will Geld für PolioPlus sammeln – «mindestens 250000 Dollar». Am Abend des 12. September machte der Jordanier mit seinem gelben Elektrobus von VW in Zürich Station. 

Zwei Jahre lang hatte der 65-Jährige, der Mitglied im RC Tbilisi Ambassador ist, seine «Journey to End Polio» vorbereitet. Es galt, die Strecke zu organisieren, Etappenziele festzulegen und Interviewpartner zu finden. Hochrangige Politiker wollten eingeladen, Rotary Clubs involviert sein. Vor allem aber brauchte es ein Fahrzeug, das auffiel. Abhilfe kam vom VW-/Porschezentrum in Salzburg: Dieses stellte den knallgelben Kleinbus mit Elektroantrieb und in Polio-Design zur Verfügung. Für neugierige Blicke auf den Strassen wäre damit gesorgt.

Nach all der intensiven Vorbereitungszeit fiel am letzten Tag im August endlich der Startschuss: Von Berlin aus nahm der leidenschaftliche Polio-Kämpfer Kurs auf Norddeutschland, die Niederlande, Belgien und Süddeutschland. Über die Schweiz, Italien und Griechenland sollte es weitergehen bis in die Türkei. Von dort aus würde die Route über Osteuropa, Süddeutschland, Österreich und Tschechien führen. Am 21. Oktober würde Bashar das Ziel seiner Reise erreichen: Chemnitz. Dort hatte die rotarische Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum ein grosses Event geplant, um anlässlich des Welt-Polio-Tags auf unsere grosse gemeinsame Sache zu machen. Der Zieleinlauf von Bashar Asfour würde die Krönung der Veranstaltung sein.

An jedem seiner Stopps wird Bashar von der rotarischen Familie unterstützt. Man hilft ihm dabei, Passanten anzusprechen, Flyer zu verteilen und Gönner zu finden. Mal postiert Bashar seinen auffälligen Bus vor markanten Spots wie der Elbphilharmonie, mal berichtet er von seinen ganz persönlichen Polio-Erfahrungen. Und dann wieder wird zu Wohltätigkeitsgalas geladen – So geschehen am 12. September in Zürich. Im Hyatt Regency am Flughafen war der rotarische Geist an diesem Abend förmlich greifbar. Neben Bashar Asfour, dem unbestrittenen Star des Abends, gab sich auch Ondrej Mach von der Weltgesundheitsorganisation die Ehre. Die beiden teilten ihre Erkenntnisse über die Auswirkungen und die Ausrottung von Polio mit den Gästen. 

Einer der wohl emotionalsten Momente – und davon gab es reichlich im Rahmen dieses Dinners –, ereignete sich, als Asfour folgenden Satz aussprach: «Der glücklichste Tag meines Lebens war der meiner letzten Operation. Ich wusste: Es wird die letzte sein.»

Im Alter von nur zehn Monaten hatte sich Bashar mit Polio infiziert. Von einem Tag auf den anderen wurde er von Fieber geschüttelt, seine Beine erschlafften. Mit anderen Kindern zu spielen, war fortan nicht mehr möglich. Gebildet und finanziell gut aufgestellt, wie sie waren, brachten ihn seine Eltern zu Spezialisten überall in der Welt. Sie schickten ihn zur Kur, liessen seine Knochen mittels Streckapparaten behandeln und beschafften ihrem Jungen jede nur denkbare Hilfe. Diesem löwenhaften Einsatz für ihr krankes Kind ist es zu verdanken, dass Bashar schliesslich Laufen lernte – «wenn auch lange nicht so gut wie Gleichaltrige». Während seine Geschwister ausgelassen tobten, sass er als Junge zuhause. Aufgrund der zahlreichen medizinischen Eingriffe wurde er von Privatlehrern unterrichtet. Zuletzt wurden ihm Knochensplitter aus der Hüfte am Schienbein implantiert, um das Wachstum der betroffenen Knochen zu fördern. Trotz all dieser Massnahmen: Die Einschränkungen beim Gehen sind bis heute erhalten.

Einschüchtern liess sich Bashar dadurch nicht, im Gegenteil. Er war clever, brachte sich früh in der Firma seiner Eltern ein, die Spielzeug, Fahrräder und Schuhe importierte, absolvierte sein Studium in England und den USA spielend und gründete erfolgreich sein eigenes Unternehmen. Inzwischen pensioniert, gibt er sich mit maximalem Elan dem Kampf gegen Polio hin.

Dass man dort schon weit gekommen, aber noch nicht am Ziel sei, betonte Ondrej Mach, der für das Charity-Dinner eigens aus Genf angereist war. Die Gäste dieses eindrücklichen Abends schätzten die gelungene Mischung aus persönlicher Erfahrung (Bashar) und fachlicher Expertise (Ondrej Mach) sehr und zeigten sich entsprechend grosszügig.


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Wer den rotarischen Kampf gegen die Kinderlähmung ebenfalls unterstützen möchte, hat mit einer Spende Gelegenheit dazu. Erst kürzlich haben die Bill & Melinda Gates Stiftung und Rotary die nächste Runde ihrer engen Zusammenarbeit eingeläutet: Rotary hat sich verpflichtet, die nächsten drei Jahre lang mindestens 50 Millionen US-Dollar jährlich an Spenden zu sammeln. Gelingt dies, so legt die Bill & Melinda Gates Stiftung auf jeden einzelnen Dollar zwei weitere Dollar drauf. «Wir erleben aktuell eine einzigartige Partnerschaft», freute sich Bashar Asfour bei seinem Stopp in Zürich. «Die Bill & Melinda Gatest Stiftung verdreifacht unsere Spende. Doch diese Gelegenheit wird nicht ewig währen», schob er warnend hinterher.

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Rot. Bashar Asfour bei seinem Zwischenstopp in Zürich