Als CEO von PKZ verbindet Rot. Manuela Beer strategische Weitsicht mit einer Ästhetik, die nie bloss dekorativ ist. Ihre Führung zeigt, dass Stil nicht Oberfläche meint, sondern Haltung – und dass Tradition dann an Gewicht gewinnt, wenn sie Zukunft schafft.
Nicht an der Bahnhofstrasse schlägt das Herz von PKZ, sondern in Urdorf. Hier, am Hauptsitz, entscheidet sich, was später im Schaufenster glänzt. Lagerhallen mit präziser Taktung, Design-Teams über Stoffmustern, Bildschirme mit Verkaufszahlen aus über 40 Filialen – und mittendrin das Büro der CEO. Wer Manuela Beer hier erlebt, versteht schnell: Dieses Geschäft ist kein Laufsteg. Es ist ein System. Und sie steuert es.
PKZ ist eines dieser Häuser, die fest im Stadtbild verankert sind: 1881 gegründet, sind sie tief verwurzelt – im nationalen Gedächtnis ebenso wie in der Schweizer Stadtkultur. Doch Institutionen bleiben nur dann lebendig, wenn sie weitergeschrieben werden. Das tut Beer – mit jener Entschlossenheit, die ihre Interviews prägt und ihre Läden atmen lässt. Sie ist eine Managerin, die Strukturen durchdenkt, aber Menschen zuerst sieht. Eine Strategin, die Zahlen analysiert, aber Räume empfindet. Und eine Ästhetin, die Schönheit nicht als Zierde versteht, sondern als Haltung.
Sie hat die seltene Fähigkeit, gleichzeitig Distanz und Nähe zu erzeugen: eine professionelle Klarheit, die nie kühl klingt, und eine menschliche Wärme, die nie anbiedernd wirkt. Vielleicht ist es genau diese Balance, die erklärt, weshalb PKZ unter ihrer Führung nicht nur Bestand hat, sondern an Kraft gewonnen hat – in einem Markt, der seit Jahren als besonders schwierig gilt.
Eleganz als strategische Kraft
Während sich der Schweizer Detailhandel im Dauerumbruch befindet und immer neue Traditionshäuser verschwinden, wählt Beer den Weg des Widerspruchs. Sie investiert, renoviert, eröffnet, veredelt – und tut das mit der Disziplin eines Menschen, der weiss, dass antizyklisches Denken am Ende oft die klarste Form von Weitsicht ist. PKZ wächst seit längerem gegen den Markttrend, und Beer spricht dabei unaufgeregt von Chancen, die man im richtigen Moment erkennt, bevor sie andere sehen. Mut ist für sie keine ideologische Grösse, sondern ein Instrument: sorgfältig kalibriert, klar begründet.
Auch konzeptionell hat PKZ unter ihr ein zweites Gesicht gewonnen: jenes eines Lifestyle-Anbieters, der Mode nicht mehr als isoliertes Produkt betrachtet, sondern als Teil einer umfassenderen ästhetischen Welt. Die Entscheidung, in Innenarchitektur, Lounges, Service-Formate und atmosphärische Erlebnisse zu investieren, wirkt heute fast selbstverständlich – war ehedem aber ein kalkuliertes Risiko. Die Stores erinnern an elegante Stadtwohnungen: warmes Licht, Stoffe, die den Raum weicher machen, Möbelstücke, die eigentlich in ein Zuhause gehören.
«Die Kundinnen und Kunden sollen sich wie zu Hause fühlen», sagt Beer – und sie meint damit nicht Bequemlichkeit, sondern Geborgenheit. Ein Gefühl, das in Zeiten des Digitalen selten geworden ist. Gleichzeitig versteht sie Retail als urbanes Kulturgut: als Ort der Begegnung, der Orientierung, der sozialen Präsenz. Ein Gedanke, der in der schweizerischen Innenstadtkultur tiefer verankert ist, als es auf den ersten Blick scheint.
Ihre private Leidenschaft für Interior Design ist dabei mehr als ein Hobby. Sie ist ein zweiter Blickwinkel, mit dem Beer Räume als stille Botschafter versteht: Farbe, Haptik, Licht. Es sind nicht die grossen Gesten, die ihre Stores prägen, sondern die sorgfältigen Zwischentöne. Sie weiss, dass Wohlgefühl nicht entsteht, wenn man es diktiert – sondern wenn man es präzise komponiert.
Gleichzeitig bleibt sie eine Frau, die klassische Managementinstrumente beherrscht: KPIs, Margen, Standortanalysen, Mitarbeiterentwicklung. Doch sobald Stoffe ins Spiel kommen – Cashmere, Twill, Jersey –, wird klar, dass ihr berufliches Fundament auf etwas ruht, das über Excel-Tabellen hinausgeht: auf echtem Interesse. Sie erinnert sich an Modemagazine aus ihrer Jugend, an selbstgezeichnete Entwürfe, an Stoffmärkte in Italien. Mode war nie beiläufig; sie war immer Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit.
Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben sie als konzentriert, offen, verbindlich. Sie hört zu, bevor sie entscheidet. Sie fragt nach, bevor sie urteilt. Und sie fordert, klar und präzise. Dass PKZ eine eigene Academy betreibt, um Beratungskompetenz zu professionalisieren, trägt unverkennbar ihre Handschrift. Modeberater werden zu Stylisten, Verkäuferinnen zu persönlichen Begleiterinnen – und Kundinnen zu Menschen, deren Zeit man respektiert.
Dass PKZ zunehmend frisch, jung und gleichzeitig wertbeständig wirkt, ist kein Zufall. Es ist das Resultat eines langfristigen Denkens. Ein Familienunternehmen verlangt nach anderen Zeitachsen, nach anderen Prioritäten. So spricht Beer von «Generationen», nicht von «Quartalen». Dieses Denken prägt ihre Entscheidungen – und macht sie in einer Zeit, die oft von kurzfristigen Effekten lebt, überraschend modern.
Werte, Wandel und der Blick nach vorn
Es wäre leicht, Manuela Beer als reine Macherin zu porträtieren: die Frau, die PKZ durch einen Jahrzehnte währenden Strukturwandel führt; die in einem anspruchsvollen Markt kontinuierlich wächst; die Eleganz mit Unternehmertum verbindet. Doch das wäre zu wenig. Denn hinter der strategischen Klarheit liegt eine tiefere, schweizerische Form von Haltung: Bescheidenheit. Anstand. Verlässlichkeit. Ein Blick auf die Dinge, der auf Beständigkeit setzt, nicht auf Lautstärke.
Ihre Antworten sind frei von Pathos, aber von Wärme getragen. Sie spricht über die Bedeutung eines guten Frühstücks, das die Basis für ihren Tag bildet; über die Ruhe des Engadins, die sie erdet; über ihre erwachsene Tochter, die viele ihrer Lebenslinien begleitet. Dort, fern der Bahnhofstrasse, werden ihre Sätze weicher. Dort spürt man die Frau hinter der Funktion – eine, die weiss, wie sehr das eigene Gleichgewicht die Qualität der Entscheidungen bestimmt.
Zugleich denkt sie weiter, als es viele erwarten würden. Nachhaltigkeit ist für sie kein Marketingbegriff, sondern ein strategisches Kapitel: langlebige Materialien, nachhaltigere Eigenmarken, die Frage nach der Kreislaufwirtschaft. Beer versteht, dass Zukunft nicht in der Geste, sondern im Prozess liegt – und dass Schweizer Kundinnen und Kunden genau diese Ernsthaftigkeit erwarten.
Höchste Aufmerksamkeit schenkt Beer der Business-Mode, denn sie befindet sich in einem steten Wandel. Während klassische Elemente des Anzugs weiterhin Bestand haben und eine gewisse Rückkehr zur Eleganz zu beobachten ist, lockern sich in vielen Unternehmen gleichzeitig die Dresscodes. Zwischen formeller Businesskleidung und Freizeitmode etabliert sich zunehmend eine neue Selbstverständlichkeit: Looks im Bereich Semi-Business und Smart Casual gewinnen an Bedeutung.
Gerade für Männer entsteht damit oft eine stilistische Grauzone. Um Orientierung zu bieten und Inspiration für zeitgemässe Kombinationen zu liefern, hat PKZ einen neuen Style Guide für Herren entwickelt.
Am Ende des Gesprächs am Urdorfer Hauptsitz begegnen uns im grosszügen, eleganten Empfangsraum Mitarbeiter Beer begrüsst alle mit einem kurzen, warmen Lächeln. Kein Managerinnenlächeln, kein Rollenlächeln, sondern ein menschliches. Ein Moment, der erklärt, weshalb auch ihre Läden funktionieren: weil in ihnen eine Idee von Gastlichkeit lebt, die nicht käuflich ist.
Es ist vielleicht ihr wichtigstes Erfolgsgeheimnis: Manuela Beer führt nicht, um etwas darzustellen, sondern um etwas zu ermöglichen. Sie plant voraus, aber bleibt geerdet. Sie liebt Schönheit, aber verwechselt sie nicht mit Prestige. Sie setzt Zeichen, aber nicht mit Lautstärke.
In einer Branche, die Schatten und Licht schneller wechselt als jede Jahreszeit, ist das eine Form von Luxus, der selten geworden ist: die Eleganz der Konsequenz. Die Kraft der Klarheit. Die souveräne Autorität einer Frau, die weiss, was sie tut – und warum.
Zur Person Manuela Beer (Jg. 1969, Mitglied im RC Zürich) ist seit 2015 CEO des Traditionsunternehmens PKZ Burger-Kehl & Co. AG und führte das Modehaus mit mehr als 40 Filialen und mehreren Eigenmarken in eine moderne, erlebnisorientierte Zukunft. Die HSG-Absolventin begann ihre Karriere bei Unilever, wechselte später zu de Sede als Marketing Director und Mitglied der Geschäftsleitung und prägte anschliessend über elf Jahre lang die Magazine zum Globus AG, zuletzt als Vize-CEO. Seit 2018 ist Manuela Beer Mitglied des Verwaltungsrats der TESTEX AG, dem international tätigen Swiss Textile Testing Institute. Beer lebt in der Region Zürich, ist verheiratet und Mutter einer erwachsenen Tochter. Privat interessiert sie sich für Interior Design, Reisen und Kultur.
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