Nachgefragt: Wie schafft man es eigentlich... ein Hilfsprojekt über Jahrzehnte lebendig zu halten?

Monday, June 29, 2026

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Als eine Delegation des RC Am Greifensee zuletzt nach Kisimiri in Tansania reiste, standen dort bereits die neuen Klassenzimmer, für die der Club wenige Monate zuvor Geld gesammelt hatte. Möbliert, und bereit für den Bezug durch die Kinder. Für PDG Bea Seiterle war das mehr als ein schöner Moment. Es war der sichtbare Beweis dafür, dass langfristiges Engagement funktionieren kann.

Liebe Bea, «Kisimiri» begann einst mit einfachen Mitteln. Wie ist daraus ein Engagement geworden, das bis heute besteht?
Indem man es nicht als einmalige Aktion versteht. In Kisimiri ging es am Anfang um sehr einfache Dinge: Schulräume, Wasser, Lehrerhäuser. Später kamen weitere Schulstufen dazu, inzwischen auch eine Berufsschule. Das Vorhaben ist also Schritt für Schritt gewachsen und hat sich dem Bedarf, aber auch den lokalen Möglichkeiten angepasst.

Entscheidend war, dass seit der ersten Etappe ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen aufgebaut wurde, die das Projekt vor Ort umsetzen. Durch sie erhalten wir verlässliche Informationen: Was wird gebraucht? Was ist realistisch? Sie versorgen uns aber auch immer wieder mit Bildern und Berichten über die Fortschritte. So bleibt man stets mit dabei, auch wenn man weit entfernt ist.

Was war bei Eurem Besuch in Kisimiri besonders eindrücklich?
Durch die Bilder und Videos, die wir während der Bauzeit erhalten haben, hatten wir zwar schon eine Ahnung davon, was uns erwartet. Wenn man es aber in der Realität sieht und erlebt, wie die Kinder strahlen und sich die Mitarbeiter freuen, dann geht das nochmals viel mehr unter die Haut. Für uns war das ein besonderer Moment: In der Schweiz sammelt man Geld, spricht über Erfolge, präsentiert Bilder und Pläne. Vor Ort spürt man dann, was all das für die Menschen bedeutet, die dort arbeiten und zur Schule gehen.

Der RC Am Greifensee begleitet Kisimiri seit fast 30 Jahren. Warum funktioniert dieses Engagement bis heute?
Weil es nie nur um Geld ging. Geld ist wichtig, keine Frage. Aber genauso wichtig sind Vertrauen, Beziehungen und Kontinuität. Der Verein Friends of Kisimiri wurde 1995 in der Schweiz gegründet, und der RC Am Greifensee war von Anfang an dabei. Über die Jahre ist daraus eine Verbindung entstanden, die nicht jedes Mal wieder bei null beginnt. Man kennt die Menschen und weiss, wem man vertrauen und auf wen man sich verlassen kann.

Wie wichtig ist es, dass ein Club ein Projekt nicht nur finanziell, sondern auch persönlich begleitet?
Das macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn Mitglieder selbst in Kisimiri waren, berichten sie anders darüber. Sie haben die Situation hautnah erlebt und zu Menschen vor Ort Beziehungen aufgebaut. Dadurch wird aus einem sachlichen Bericht eine persönliche Erfahrung. Natürlich kann nicht der ganze Club nach Tansania reisen. Aber wenn einige diese Eindrücke zurückbringen, wird das Ganze im Club greifbarer. Man spricht dann nicht nur über Beträge, sondern über Kinder, Räume, Gespräche und nächste Schritte.

Welche Rolle spielen lokale Partner?
Eine sehr grosse. Ohne die Menschen in Kisimiri würde gar nichts funktionieren. Es ist nicht sinnvoll, aus der Schweiz heraus zu entscheiden, was eine Schule in Tansania braucht. Man muss zuhören, nachfragen und auch akzeptieren, dass Abläufe anders sind als bei uns. Entscheidend ist, dass die lokale Bevölkerung eingebunden ist und dass die Zusammenarbeit mit den Schulbehörden funktioniert. Nur dann hilft es der Schule auch wirklich weiter.

Inzwischen geht es nicht mehr nur um Klassenzimmer. Warum kommen immer neue Schritte dazu?
Weil eine Schule eben mehr braucht als Räume. Wenn mehr Kinder kommen, braucht es auch gute sanitäre Anlagen. Wenn Lehrer dortbleiben sollen, brauchen sie Wohnmöglichkeiten. Und ein Computerraum ist heute wichtig, damit die Jugendlichen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das eine ergibt sich oft aus dem anderen. Die Schule kann heute mehr leisten als früher – und dafür braucht sie die passende Infrastruktur.

Wie erklärt man einem Club immer wieder, warum ein Projekt nach fast 30 Jahren weiter Unterstützung braucht?
Am besten mit konkreten Resultaten. Man muss vor Augen führen, was erreicht wurde – und ebenso klar sagen, was als Nächstes ansteht. Bei Kisimiri ist das gut nachvollziehbar: Aus einer einfachen Dorfschule ist über die Jahre ein Bildungszentrum geworden, das als Vorzeigemodell für das ganze Land gilt. Dass heute mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken als früher, ist ein grosser Erfolg. Gleichzeitig wächst damit aber auch der Bedarf.

Am 10. September organisiert der RC Am Greifensee ein Charity-Golfturnier für Kisimiri. Welche Rolle spielen solche Anlässe?
Sie sind sehr wichtig, weil sie ein Projekt im Club und darüber hinaus sichtbar machen. Klar geht es darum, Geld zu sammeln. Aber es geht auch um Begegnung, um Information und darum, Menschen einzubeziehen, die vielleicht bisher noch keinen direkten Bezug zu Kisimiri hatten. Ein Anlass wie das Golfturnier zeigt: Die Zusammenarbeit läuft weiter, es gibt konkrete nächste Schritte, und man kann sich auf einfache Weise beteiligen.

Gibt es einen Moment, in dem man merkt: Die Hilfe wirkt wirklich?
Wir sind mehrfach auf Menschen gestossen, die auf die Frage, wo sie so gut Englisch gelernt haben, stolz antworteten, dass sie in Kisimiri zur Schule gegangen seien. Heute arbeiten sie als Hotelmanager, Park Ranger oder Fahrer für Touristen. In solchen Momenten wird einem bewusst, worum es geht. Es geht nicht nur um Gebäude, es geht um Chancen. Eine Schule kann nicht von heute auf morgen alles verändern, das steht ausser Frage. Aber sie kann Türen öffnen und Lebenswege prägen. Und wenn man das vor Augen hat, versteht man, warum sich ein langer Atem lohnt.

Was braucht es im Club, damit ein solches Projekt über so lange Zeit funktioniert?
Es braucht einzelne Menschen, die Verantwortung übernehmen, aber auch einen Club, der mitgeht. Nicht jedes Mitglied muss gleich stark involviert sein, aber es hilft sehr, wenn das Projekt im Club bekannt ist und immer wieder gezeigt wird, was erreicht wurde. Sichtbare Fortschritte motivieren. Und spätestens, wenn eine Delegation von ihrer Reise zurückkehrt und von ihren Erfahrungen berichtet, werden auch andere von dieser Begeisterung angesteckt.

Was lernt man selbst aus einem solchen Projekt?
Vor allem erweitert es den Horizont und das Verständnis für andere Kulturen. Vielleicht verläuft die Entwicklung in Tansania nicht in unserem Tempo. Wenn man aber am Abend mit den Massai am Lagerfeuer sitzt und mit ihnen über ihre Lebensweise und ihre Bräuche spricht, merkt man schnell, dass viele Vorurteile falsch sind. Vor allem erkennt man, dass es nicht die fortschrittliche und die rückständige Welt gibt.

Als die ersten Videos eintrafen, auf denen zu sehen war, wie die Gräben für die Fundamente von Hand ausgeschaufelt wurden, dachte ich: So werden die nie fertig. Drei Wochen später waren nicht nur die Fundamente erstellt, sondern bereits die Mauern hochgezogen. Bei uns hätte man in dieser Zeit vermutlich noch nicht einmal die Baubewilligung erhalten.

Was könnten andere Clubs von Euch lernen?
Dass man besser klein anfängt und dabei das Vertrauen der richtigen Menschen gewinnt. Ohne eine absolut vertrauenswürdige Bezugsperson, die vor Ort gut vernetzt ist und die Sprache der Menschen spricht, wäre das alles nicht möglich gewesen.

PDG Bea Seiterle begleitet das Schulprojekt in Kisimiri in Tansania seit vielen Jahren.

Was sich übertragen lässt

Klein anfangen, langfristig denken: Kisimiri begann nicht als Grossprojekt, sondern mit konkreten, überschaubaren Schritten.

Verlässliche Partner suchen: Entscheidend ist, dass ein Projekt vor Ort funktioniert und nicht nur aus der Ferne gut gemeint ist.

Regelmässig erzählen, was passiert: Ein Engagement bleibt im Club lebendig, wenn Fortschritte sichtbar werden und die nächsten Schritte klar sind.

Jemanden verantwortlich machen: Langfristige Projekte brauchen Menschen im Club, die nachfassen, informieren und die Fäden zusammenhalten.

Nicht jedes Jahr etwas Neues erfinden: Manchmal entsteht die grösste Wirkung dort, wo ein Club über Jahre bei einer guten Idee bleibt.

Konkrete realistische Etappen formulieren: Klassenzimmer, Toilettenanlagen, Lehrerhäuser, Computerraum – je greifbarer der nächste Schritt, desto leichter lassen sich Mitglieder und Unterstützer gewinnen.