Als eine Delegation des
RC Am Greifensee zuletzt nach Kisimiri in Tansania reiste, standen dort bereits
die neuen Klassenzimmer, für die der Club wenige Monate zuvor Geld gesammelt
hatte. Möbliert, und bereit für den Bezug durch die Kinder. Für PDG Bea
Seiterle war das mehr als ein schöner Moment. Es war der sichtbare Beweis
dafür, dass langfristiges Engagement funktionieren kann.
Liebe Bea, «Kisimiri»
begann einst mit einfachen Mitteln. Wie ist daraus ein Engagement geworden, das
bis heute besteht?
Indem man es nicht als einmalige
Aktion versteht. In Kisimiri ging es am Anfang um sehr einfache Dinge:
Schulräume, Wasser, Lehrerhäuser. Später kamen weitere Schulstufen dazu,
inzwischen auch eine Berufsschule. Das Vorhaben ist also Schritt für Schritt gewachsen
und hat sich dem Bedarf, aber auch den lokalen Möglichkeiten angepasst.
Entscheidend war, dass seit der ersten
Etappe ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen aufgebaut wurde, die das
Projekt vor Ort umsetzen. Durch sie erhalten wir verlässliche Informationen:
Was wird gebraucht? Was ist realistisch? Sie versorgen uns aber auch immer
wieder mit Bildern und Berichten über die Fortschritte. So bleibt man stets mit
dabei, auch wenn man weit entfernt ist.
Was war bei
Eurem Besuch in Kisimiri besonders eindrücklich?
Durch die Bilder und Videos, die wir während der Bauzeit erhalten haben, hatten
wir zwar schon eine Ahnung davon, was uns erwartet. Wenn man es aber in der
Realität sieht und erlebt, wie die Kinder strahlen und sich die Mitarbeiter
freuen, dann geht das nochmals viel mehr unter die Haut. Für uns war das ein
besonderer Moment: In der Schweiz sammelt man Geld, spricht über Erfolge,
präsentiert Bilder und Pläne. Vor Ort spürt man dann, was all das für die
Menschen bedeutet, die dort arbeiten und zur Schule gehen.
Der RC Am Greifensee begleitet
Kisimiri seit fast 30 Jahren. Warum funktioniert dieses Engagement bis
heute?
Weil es nie nur um Geld ging. Geld ist wichtig, keine Frage. Aber genauso
wichtig sind Vertrauen, Beziehungen und Kontinuität. Der Verein Friends of
Kisimiri wurde 1995 in der Schweiz gegründet, und der RC Am Greifensee war von
Anfang an dabei. Über die Jahre ist daraus eine Verbindung entstanden, die
nicht jedes Mal wieder bei null beginnt. Man kennt die Menschen und weiss, wem
man vertrauen und auf wen man sich verlassen kann.
Wie wichtig ist es, dass ein Club
ein Projekt nicht nur
finanziell, sondern auch persönlich begleitet?
Das macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn Mitglieder selbst in Kisimiri
waren, berichten sie anders darüber. Sie haben die Situation hautnah erlebt und
zu Menschen vor Ort Beziehungen aufgebaut. Dadurch wird aus einem sachlichen
Bericht eine persönliche Erfahrung. Natürlich kann nicht der ganze Club nach
Tansania reisen. Aber wenn einige diese Eindrücke zurückbringen, wird das Ganze
im Club greifbarer. Man spricht dann nicht nur über Beträge, sondern über
Kinder, Räume, Gespräche und nächste Schritte.
Welche Rolle spielen lokale Partner?
Eine sehr grosse. Ohne die Menschen in Kisimiri würde gar nichts funktionieren.
Es ist nicht sinnvoll, aus der Schweiz heraus zu entscheiden, was eine Schule
in Tansania braucht. Man muss zuhören, nachfragen und auch akzeptieren, dass
Abläufe anders sind als bei uns. Entscheidend ist, dass die lokale Bevölkerung
eingebunden ist und dass die Zusammenarbeit mit den Schulbehörden funktioniert.
Nur dann hilft es der Schule auch wirklich weiter.
Inzwischen geht es nicht mehr nur
um Klassenzimmer. Warum kommen immer neue Schritte dazu?
Weil eine Schule eben mehr braucht als Räume. Wenn mehr Kinder kommen, braucht
es auch gute sanitäre Anlagen. Wenn Lehrer dortbleiben sollen, brauchen sie
Wohnmöglichkeiten. Und ein Computerraum ist heute wichtig, damit die
Jugendlichen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das eine ergibt sich
oft aus dem anderen. Die Schule kann heute mehr leisten als früher – und dafür
braucht sie die passende Infrastruktur.
Wie erklärt man einem Club immer
wieder, warum ein Projekt nach fast 30 Jahren weiter Unterstützung braucht?
Am besten mit konkreten Resultaten. Man muss vor Augen führen, was erreicht
wurde – und ebenso klar sagen, was als Nächstes ansteht. Bei Kisimiri ist das
gut nachvollziehbar: Aus einer einfachen Dorfschule ist über die Jahre ein
Bildungszentrum geworden, das als Vorzeigemodell für das ganze Land gilt. Dass
heute mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken als früher, ist ein grosser
Erfolg. Gleichzeitig wächst damit aber auch der Bedarf.
Am 10. September organisiert der RC Am Greifensee ein
Charity-Golfturnier für Kisimiri. Welche Rolle spielen solche Anlässe?
Sie sind sehr wichtig, weil
sie ein Projekt im Club und darüber hinaus sichtbar machen. Klar geht es darum,
Geld zu sammeln. Aber es geht auch um Begegnung, um Information und darum,
Menschen einzubeziehen, die vielleicht bisher noch keinen direkten Bezug zu
Kisimiri hatten. Ein Anlass wie das Golfturnier zeigt: Die Zusammenarbeit läuft
weiter, es gibt konkrete nächste Schritte, und man kann sich auf einfache Weise
beteiligen.
Gibt es einen Moment, in dem man
merkt: Die Hilfe wirkt wirklich?
Wir sind mehrfach auf Menschen gestossen, die auf die Frage, wo sie so gut
Englisch gelernt haben, stolz antworteten, dass sie in Kisimiri zur Schule
gegangen seien. Heute arbeiten sie als Hotelmanager, Park Ranger oder Fahrer
für Touristen. In solchen Momenten wird einem bewusst, worum es geht. Es geht
nicht nur um Gebäude, es geht um Chancen. Eine Schule kann nicht von heute auf
morgen alles verändern, das steht ausser Frage. Aber sie kann Türen öffnen und
Lebenswege prägen. Und wenn man das vor Augen hat, versteht man, warum sich ein
langer Atem lohnt.
Was braucht es im Club, damit ein
solches Projekt über so lange Zeit funktioniert?
Es braucht einzelne Menschen, die Verantwortung übernehmen, aber auch einen
Club, der mitgeht. Nicht jedes Mitglied muss gleich stark involviert sein, aber
es hilft sehr, wenn das Projekt im Club bekannt ist und immer wieder gezeigt
wird, was erreicht wurde. Sichtbare Fortschritte motivieren. Und spätestens,
wenn eine Delegation von ihrer Reise zurückkehrt und von ihren Erfahrungen
berichtet, werden auch andere von dieser Begeisterung angesteckt.
Was lernt man selbst
aus einem solchen Projekt?
Vor allem erweitert es den Horizont und das Verständnis für andere Kulturen.
Vielleicht verläuft die Entwicklung in Tansania nicht in unserem Tempo. Wenn
man aber am Abend mit den Massai am Lagerfeuer sitzt und mit ihnen über ihre
Lebensweise und ihre Bräuche spricht, merkt man schnell, dass viele Vorurteile
falsch sind. Vor allem erkennt man, dass es nicht die fortschrittliche und die
rückständige Welt gibt.
Als die ersten Videos eintrafen, auf denen
zu sehen war, wie die Gräben für die Fundamente von Hand ausgeschaufelt wurden,
dachte ich: So werden die nie fertig. Drei Wochen später waren nicht nur die
Fundamente erstellt, sondern bereits die Mauern hochgezogen. Bei uns hätte man
in dieser Zeit vermutlich noch nicht einmal die Baubewilligung erhalten.
Was könnten andere Clubs
von Euch lernen?
Dass man besser klein anfängt und dabei das Vertrauen der richtigen Menschen
gewinnt. Ohne eine absolut vertrauenswürdige Bezugsperson, die vor Ort gut
vernetzt ist und die Sprache der Menschen spricht, wäre das alles nicht möglich
gewesen.