150 Piktogramme von Toiletten, die über mehr als zehn Jahre hinweg in aller Welt fotografiert wurden: Die Rotarierin und Psychologin Marion Aufseesser hat daraus „To pee or not to pee“ gemacht, das kleine Buch über WC-Piktogramme. Diese ebenso ungewöhnliche wie unterhaltsame Sammlung thematisiert auch gesellschaftliche und gesundheitspolitische Fragen, die oft wenig Beachtung finden.
Marion Aufseesser beobachtet mit grosser Leidenschaft, wie Toiletten weltweit gekennzeichnet sind. „Ein Piktogramm sagt viel über das jeweilige Lokal aus“ – so erklärte sie in einem Interview mit dem Westschweizer Radio RTS. Die mediale Aufmerksamkeit und das Interesse an ihrem Projekt ist ihrer Begegnung mit dem Verleger Xavier Casile auf der Genfer Buchmesse im April 2025 zu verdanken. Gemeinsam beschlossen sie, mehr als nur ein Fotoalbum zu schaffen. „Wir wollten der Form Inhalt geben“, erklärt Marion Aufseesser. „Über den spielerischen Aspekt der Piktogramme hinaus regt dieses Buch zum Nachdenken darüber an, wie wichtig es ist, den Zugang zu Toiletten weltweit zu verbessern, insbesondere für Mädchen, Frauen, nicht-binäre Personen und Menschen mit Behinderung.“
Denn das Thema ist alles andere als nebensächlich: Fast die Hälfte der Menschheit hat nach wie vor keinen Zugang zu Toiletten. Als Rotarierin ist Marion Aufseesser denn auch bewusst, dass sich dieses Thema mit einem der rotarischen Schwerpunktbereiche deckt– Water, Sanitation and Hygiene (Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene), kurz WASH.
In Marion Aufseessers Buch erinnert Baudoin Luce, Experte für Abfall und Sanitärversorgung, daran, dass etwa 3,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicher betriebenen Sanitäranlagen haben. Dabei spielt WASH eine wesentliche Rolle beim Schutz der öffentlichen Gesundheit: Durch den Zugang zu sauberem Wasser, geeigneten sanitären Einrichtungen, einer korrekten Abfallentsorgung und guten Hygienepraktiken lässt sich die Übertragung von Krankheiten eindämmen.
Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch daran, dass die Vereinten Nationen einen Welttoilettentag eingeführt haben, der jedes Jahr am 19. November begangen wird. Dennoch verrichteten im Jahr 2022 noch immer rund 420 Millionen Menschen ihre Notdurft im Freien, entweder mangels ausreichender Infrastruktur oder weil die vorhandenen Sanitäranlagen zu baufällig oder gefährlich waren.
Das Buch beleuchtet zudem Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Im Kapitel „Frauen und Toiletten“ erklärt Guila Clara Kessous, Leiterin des internationalen Forums Femina Vox, das seit fast zehn Jahren anlässlich des Internationalen Tages der Rechte der Frauen bei der UNESCO organisiert wird, dass ihr bewusst geworden sei, wie viel Toiletten über die Situation der Frauen aussagen. „Als ich mich mit diesem Thema befasste, entdeckte ich die ganze anthropologische Dimension, die Frauen mit diesem Ort verbindet“, schreibt sie. „Dieser kleine Ort ist der Spiegel stiller Kämpfe und körperlicher Zwänge. In einigen Entwicklungsländern zwingt der Mangel an sanitären Einrichtungen immer noch Millionen junger Mädchen dazu, eine Woche im Monat der Schule fernzubleiben.“
Der Bau von Toiletten mache vielleicht keine Schlagzeilen, fasst Baudoin Luce zusammen. Doch der Erfolg von Marion Aufseessers Buch trägt zweifellos dazu bei, ein wichtiges Thema sichtbar zu machen. Marion würde sich übrigens freuen, von Rotariern und Rotarierinnen kontaktiert zu werden, die sich für das Thema interessieren: Man kann ihr auf marion@transitionkit.com schreiben.
Zur Person
Marion Aufseesser ist englischer Muttersprache, in Südafrika geboren und aufgewachsen und lebte in Asien, bevor sie in die Schweiz gekommen ist. „To Pee Or Not To Pee“, ist auf Französisch und Englisch im Verlag Goodheidiproduction erschienen. Es ist ihr zweites Buch. Zuvor hatte sie „Rebondir: réussir sa transition professionnelle“ verfasst, das bei Odile Jacob in der Reihe von Christophe André erschienen ist.