Berufsaustausch neu gedacht

Monday, March 17, 2025

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Seit Oktober 2023 engagiert sich Rot. Corinne Vogel mit Herz und Hand für visite – das Programm, das Lernende auf Berufs- und Sprachabenteuer schickt. Jetzt hebt Projekt Moléson ab. Was steckt dahinter? Und warum lohnt es sich, dabei zu sein? Wir haben nachgefragt.

Liebe Corinne, 1998 rief der RC Uster visite ins Leben, um ein Zeichen gegen Jugendarbeitslosigkeit zu setzen. Heute erstreckt sich das Programm über die gesamte Schweiz und organisiert rund 100 Berufsaustausche pro Jahr. Was macht Eure Arbeit so besonders?
Wir bieten jungen Menschen in der ganzen Schweiz konkrete Perspektiven. Seit unserer Gründung vor mehr als 26 Jahren ist es unser Ziel, Lernenden durch Berufspraktika wertvolle Erfahrungen in einer anderen Sprach- und Kulturregion zu ermöglichen.

Durch unser wachsendes Netzwerk und die Unterstützung der Rotary Clubs schaffen wir Verbindungen zwischen Unternehmen, Berufslernenden und Gastfamilien. Vergangenes Jahr konnten wir rund 100 Praktika organisieren – das bedeutet 100 Chancen für junge Menschen, neue berufliche Horizonte zu entdecken.

Besonders macht unsere Arbeit aber vor allem die persönliche Betreuung: Wir begleiten die Teilnehmer von der Bewerbung bis zur Rückkehr und sorgen dafür, dass sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen. 

Vor Kurzem hat visite mit Moléson eine neue Initiative auf den Weg gebracht; der offizielle Startschuss fiel am 8. März. Worum geht es dabei genau?
Visite wurde um die Jahrtausendwende vom RC Uster im Zürcher Oberland gegründet und hat sich seither vor allem in der Deutschschweiz stark etabliert. Mit dem Projekt Moléson wollen wir nun gezielt unsere Präsenz in der Westschweiz ausbauen.

Ziel von Moléson ist es, jungen Menschen aus der Romandie die Möglichkeit zu geben, wertvolle berufliche Erfahrungen über den «Röschtigraben» hinaus in der Deutschschweiz zu sammeln. Wir möchten sie ermutigen, neue Regionen, Betriebe und Arbeitsweisen kennenzulernen – und damit nicht nur ihre fachlichen Kompetenzen, sondern auch ihre interkulturellen Fähigkeiten stärken.

Mit der Unterstützung engagierter Rotary Clubs und Partnerunternehmen bauen wir so Brücken zwischen den Sprachregionen und fördern den Austausch innerhalb der ganzen Schweiz. 

Für uns Laien: Was unterscheidet Projekt Moléson vom regulären visite-Programm?
Der Unterschied liegt vor allem in der gebündelten und koordinierten Umsetzung in der Westschweiz. Während wir bei visite grundsätzlich individuelle Berufspraktika für Lernende in der ganzen Schweiz organisieren, ist Moléson ein gezielter Kraftakt, um unser Angebot in der Romandie bekannt zu machen und nachhaltig zu verankern.

Wie in vielen Bereichen ist das erste Mal oft mit Unsicherheiten und einem höheren Aufwand verbunden. Rotary Clubs, die bereits Praktika mit visite organisiert haben, wissen, worauf es ankommt, und tun sich leichter. In der Westschweiz, wo visite noch weniger bekannt ist, brauchen wir jedoch mehr Schwung. Deshalb haben wir mit Moléson die Kräfte gebündelt: Die Rotary Clubs der Region ziehen an einem Strang und unterstützen sich gegenseitig.

Das bringt uns einen doppelten Vorteil: visite gewinnt an Bekanntheit, und wir von der Geschäftsstelle können die Clubs und Teilnehmer effizienter und gezielter unterstützen. So schaffen wir eine nachhaltige Basis für zukünftige Berufsaustausche in der ganzen Schweiz.

Wie können sich interessierte Lernende für Moléson anmelden?

Interessierte Lernende können sich – wie sonst auch – über das Web-Formular auf www.visite.ch anmelden. Wir setzen bewusst auf unseren bewährten Anmeldeprozess, um eine nachhaltige Struktur zu schaffen. Unser Ziel ist es, dass nach dem ersten grossen Engagement von Moléson in den kommenden Jahren immer mehr Praktika aus der Romandie organisiert werden – ohne dass alles wieder neu «gelernt» werden muss.

Was Moléson besonders macht: Die Rotary Clubs helfen aktiv mit, potenzielle Kandidaten für den Berufsaustausch zu finden. Wir helfen zudem mit direkten Kontakten zu Berufsschulen, Unternehmen und Lernenden und tragen dazu bei, dass die richtigen Matches entstehen.

Damit die Rotary Clubs bestmöglich unterstützt werden, stellen wir ihnen gezieltes Infomaterial zur Verfügung. Zusätzlich steht unsere Geschäftsstelle jederzeit bereit, um Fragen zu klären und bei der Organisation zu helfen. So stellen wir sicher, dass der Austausch sowohl für die Lernenden als auch für die Gastbetriebe und Gastfamilien optimal verläuft.

Und vor allem: Welche Rolle spielen die Rotary Clubs bei der Umsetzung?
Alle Rotary- und Rotaract Clubs des Distrikts 1990 werden beim Projekt Moléson involviert. Während einige Clubs bereits seit Jahren Mitglied bei visite sind, ist das Programm für viele noch neu. Ein zentrales Ziel von Moléson ist es daher, hands-on Erfahrungen mit visite zu ermöglichen und die Bekanntheit des Programms innerhalb der Rotary Clubs zu steigern.

Die Clubs leisten einen entscheidenden Beitrag, indem sie aktiv nach interessierten Berufslernenden, geeigneten Gastbetrieben und Gastfamilien suchen. Das Rotary-Netzwerk ist hier von unschätzbarem Wert – ohne die lokale Verankerung und die persönlichen Kontakte der Clubs wäre der Erfolg von visite kaum denkbar.

Zusätzlich beteiligen sich die Rotary Clubs an den Projektkosten mit einem Unkostenbeitrag. Ob sie dies als reguläre Vereinsmitglieder oder durch einen einmaligen Beitrag tun, bleibt ihnen überlassen.

Wenn Ihr Euch etwas wünschen dürftet: Was erhofft Ihr Euch für die Zukunft von Moléson?

Moléson steht ganz im Zeichen der Kernasprekte «Berufsdienst» und «Jugenddienst» von Rotary. Für das rotarische Jahr 2025/26 hat Jouni Heinonen, der dann Governor sein wird, drei Entwicklungsschwerpunkte festgelegt: Er möchte etwas für die Jugend leisten, möchte die Zusammenarbeit zwischen den Clubs steigern und dabei den Fokus auf innerschweizerische Potentiale legen. Das Projekt Moléson passt hierzu ideal und trägt massgeblich zur Stärkung der interkulturellen Verständigung bei.

Unsere grösste Hoffnung für die Zukunft von Moléson ist, dass sich das Projekt nachhaltig etabliert und zu einem festen Bestandteil der Berufsaustausche in der Schweiz wird. Wir wünschen uns, dass immer mehr Lernende auch aus der Romandie die Chance nutzen, über den Röstigraben hinweg wertvolle Erfahrungen in der Deutschschweiz zu sammeln – und umgekehrt.

Gleichzeitig hoffen wir, dass die Rotary Clubs in der Westschweiz weiterhin so engagiert mitmachen und aus den ersten Erfahrungen eine langfristige Zusammenarbeit entsteht. Wenn Moléson dazu beiträgt, dass sich immer mehr Clubs aktiv für Berufsaustausche einsetzen, wäre das ein grosser Erfolg.

Langfristig soll visite schweizweit noch bekannter werden. Je mehr junge Menschen einen innerschweizerischen Sprach- und Kulturaustausch wagen, desto mehr profitiert die gesamte Gesellschaft.

Rot. Corinne Vogel