Erfolgreiche Brücke zwischen den Sprachregionen

Samstag, 1. August 2026

Denise Lachat

Mit dem Projekt «Moléson» hat Jouni Heinonen bewiesen, dass Sprachgrenzen kein unüberwindbares Hindernis sein müssen. Der scheidende Governor hinterlässt einen geeinteren Distrikt, der auf Jugend, Austausch und Zusammenarbeit setzt.

«Jouni Heinonen ist ein mehrsprachiger Finne, der Französisch wie ein Finne und Deutsch wie ein Romand spricht.» Mit diesen Worten würdigte der neue Governor des Distrikts 1990, René Loretan, seinen Vorgänger und sorgte bei der Amtsübergabe für Heiterkeit und Applaus.

Hinter dem Scherz steckt eine wahre Botschaft: Während seiner Amtszeit ist es Jouni Heinonen gelungen, die Clubs beider Sprachregionen des Distrikts näher zusammenzubringen. Sein Herzensprojekt «Moléson» fördert den Austausch von Lernenden zwischen der Romandie und der Deutschschweiz im Rahmen des nationalen Programms visite.

«Man hat mir gesagt, ich sei verrückt und das werde nie funktionieren», erzählt Jouni Heinonen heute schmunzelnd. Das Prinzip war einfach: Teams aus zwei französischsprachigen und einem deutschsprachigen Club sollten gemeinsam Lernende, Ausbildungsbetriebe und Gastfamilien auf beiden Seiten des Röstigrabens finden. Die Anfänge verliefen nicht immer reibungslos – einige Genfer und Berner gaben offen zu, sich kaum zu verstehen. Dennoch erwies sich das Projekt als Erfolg. Insgesamt nahmen 32 Lernende am Austausch teil, und heute engagieren sich nahezu 90 Prozent der Clubs in den «Teams Moléson». Inzwischen sind 18 Clubs des Distrikts 1990 Mitglied von visite, fünf davon traten während Heinonens Amtszeit bei. Der Distrikt habe damit seinen Ruf als «schwarzes Schaf» abgelegt, sagt er. Unter René Loretan wird das Projekt weitergeführt und auf die Distrikte 1980 und 2000 ausgeweitet.

Diese Initiative steht beispielhaft für die drei Schwerpunkte, die sich Jouni Heinonen gesetzt hatte: neue und vorzugsweise junge Mitglieder gewinnen, die Zusammenarbeit zwischen den Clubs stärken und die Kommunikation verbessern. Der Distrikt 1990 ist zudem der einzige Schweizer Distrikt mit einer eigenen Gruppe Kommunikation. Die Konferenzen der Distrikt-«Unis» werden künftig in beide Sprachen übersetzt.

Eine Herausforderung bleibt hingegen die Entwicklung von Rotaract. Unter Berufung auf Rotary-International-Präsident Francesco Arezzo wies Jouni Heinonen darauf hin, dass ein hinsichtlich Mitgliederzahl und Rotary-Clubs vergleichbarer Distrikt mit Sizilien und Malta rund 60 Rotaract-Clubs zählt – gegenüber lediglich drei im Distrikt 1990. «Das ist schwieriger, als ich gedacht hatte», räumte er ein und kündigte gleichzeitig an, dass derzeit vier neue Rotaract-Clubs in Planung seien.

Nach den Ehrungen, den Auszeichnungen und einem Referat zur Schweizer Sicherheitspolitik fand der Tag einen heiteren Abschluss. Die berühmten «Brigands du Jorat» stürmten das Théâtre du Jorat in Mézières und entführten die beiden Governors. Freigelassen wurden sie nur gegen Zahlung eines Lösegelds – in Form von Weinflaschen, wovon die «Geiseln» mit gefesselten Armen trinken mussten. Bei dieser ungewöhnlichen Prüfung schien der Finne dem Oberwalliser leicht überlegen zu sein. René Loretan hat nun ein Jahr Zeit, diesen Vorsprung aufzuholen.

Heitere Geiseln: PDG Jouni Heinonen und sein Nachfolger René Loretan wurden in Mézières von den «Brigands du Jorat» entführt.