Ein Gespräch mit PDG Daniel Marbot über nachhaltige Philanthropie, vertrauenswürdige Partnerschaften und die Kraft des stillen Gebens.
In der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein werden jährlich rund 90 bis 95 Milliarden Franken vererbt – ein stiller Generationenwechsel mit enormer gesellschaftlicher Sprengkraft. Wer bekommt wie viel – und vor allem: wofür wird es verwendet? Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, was von ihnen bleiben soll – über das rein Finanzielle hinaus.
Für PDG Daniel Marbot, Assistant Endowment/Major Gift Adviser der Rotary Foundation für die Schweiz und Liechtenstein, liegt eine Antwort auf der Hand: nachhaltiges Spenden. Im Gespräch erklärt er, warum es beim Geben nicht um Beträge geht, sondern um Haltung, und weshalb die Rotary Foundation ein glaubwürdiger Partner für Menschen ist, die mehr hinterlassen möchten als Zahlen auf einem Kontoauszug.
Lieber Dani, du sprichst von einer stillen Transformation. Was meinst du damit?
Wir erleben gerade einen riesigen Generationenwechsel. Jährlich werden in der Schweiz und in Liechtenstein fast 100 Milliarden Franken vererbt, eine enorme Summe. Für viele stellt sich die Frage: Was bleibt von mir, wenn ich gehe? Nur Besitz – oder auch ein Beitrag für etwas Grösseres? Ein Vermächtnis, das weiterwirkt? Genau hier setzt die Idee der Philanthropie an: nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung.
Warum gerade die Rotary Foundation?
Weil sie Wirkung garantiert, und weil sie Vertrauen verdient. Seit ihrer Gründung 1917 hat die Rotary Foundation weltweit mehr als 6,1 Milliarden US-Dollar für Programme ausgegeben. Allein im vergangenen Jahr waren es über 417 Millionen Dollar. 88 Prozent der Mittel fliessen direkt in Projekte. Und mit 15 Vier-Sterne-Bewertungen in Folge vom Charity Navigator gehört sie zu den bestbewerteten Organisationen überhaupt. Rotary arbeitet nicht nur global, sondern auch lokal – und das mit einer Effizienz, die ihresgleichen sucht. Im vergangenen Jahr wurden weltweit über 1200 Global Grants genehmigt, dazu mehr als 480 District Grants. Das sind mehr als 1600 konkrete Projekte, viele davon in direkter Zusammenarbeit mit unseren Clubs. Für mich persönlich ist das kein abstraktes System, sondern ein lebendiger Kreislauf von Vertrauen, Verantwortung und Wirkung.
Wie funktioniert nachhaltiges Spenden konkret?
Es gibt viele Wege: Einzelspenden an den Jahresfonds oder an Polio Plus, grössere Zuwendungen – sogenannte Major Gifts – oder ein Testament, in dem die Rotary Foundation bedacht wird. Letzteres läuft über den Endowment Fund. Die Spende bleibt erhalten, ihre Erträge finanzieren langfristig rotarische Projekte. Allein 2023/24 flossen rund 39,5 Millionen US-Dollar in diesen Bereich. Wer will, kann dabei einen Schwerpunkt setzen – Gesundheit, Bildung, Umwelt. Es entsteht ein persönlicher Abdruck, der bleibt. Manchmal erzählen mir Rotarier, dass sie über ihr Testament zum ersten Mal wirklich über ihren eigenen Fussabdruck in der Welt nachgedacht haben. Das hat nichts mit Zahlen zu tun, sondern mit innerer Klarheit. Und mit dem Wunsch, dass das eigene Leben auch nach dem letzten Kapitel weiterwirkt.
Muss man Grossspender sein, um einen Unterschied zu machen?
Ganz und gar nicht, ganz im Gegenteil! Bei Rotary zählt nicht die Grösse der Summe, sondern der Gedanke dahinter. Wer regelmässig spendet, stärkt eine Kultur des Gebens. Viele Clubs fördern das aktiv, etwa durch Informationen zur Paul Harris Society oder zu geplanten Zuwendungen. Viele kleine Beiträge ergeben in der Summe eine grosse Wirkung.
Welche Projekte zeigen besonders deutlich, was Rotary mit solchen Mitteln bewegen kann?
Beeindruckend finde ich die sogenannten Programs of Scale. Diese grossen Förderprogramme setzen auf bewährte Partner und hohe Skalierbarkeit. Ein Beispiel: In Indien wurden 2023/24 mehr als 60’000 Landwirte unterstützt – mit nachhaltigem Wassermanagement und Landwirtschaftspraktiken. Oder in Nigeria: Dort senkt das Programm «Together for Healthy Families» gezielt die Mütter- und Säuglingssterblichkeit. Möglich wurde das durch gezielte Förderungen, unter anderem zwei Millionen Dollar von der Foundation plus vier Millionen Dollar von Partnern.
Was bewegt dich persönlich, dich in diesem Bereich zu engagieren?
Ich habe in Rotary tiefe Freundschaften gefunden – und das Bewusstsein, dass man gemeinsam tatsächlich etwas verändern kann. Deshalb spende ich regelmässig. Und ich habe einen Teil meines Nachlasses der Rotary Foundation zugesichert. Weil es sich richtig anfühlt. Weil ich etwas zurückgeben möchte. Und weil ich weiss, dass mein Beitrag über meine Lebenszeit hinauswirken wird.
Du sagst: «Wenn wir etwas Gutes tun wollen, pflanzen wir Tulpen, wie für Polio. Wenn wir über Jahrzehnte wirken wollen, pflanzen wir Apfelbäume. Doch wenn wir für die Ewigkeit etwas hinterlassen wollen, dann ist die Rotary Foundation das beste Instrument, das ich kenne.» Was genau meinst Du damit?
Ich finde, dieses Bild macht den Unterschied schön greifbar: Tulpen stehen für Soforthilfe, sichtbare Wirkung, unmittelbare Freude. Apfelbäume dagegen brauchen Geduld, aber sie tragen Jahr für Jahr Früchte. Und wenn wir für die Ewigkeit etwas hinterlassen wollen, dann geht es um Strukturen, die auch nach uns weiterwirken. Genau das ermöglicht die Rotary Foundation. Sie ist nicht einfach ein Spendentopf, sondern ein langfristiger Hebel für globale Veränderung. Und das ist für mich zutiefst sinnstiftend und zutiefst rotarisch.
Wie erlebst du das Gespräch mit Menschen, die sich für das Thema interessieren?
Solche Unterhaltungen sind immer sehr persönlich. Viele wollen Gutes tun, sind sich aber unsicher, wie sie es angehen sollen. Ich höre zu, beantworte Fragen, respektiere Wünsche und Grenzen. Spenden ist etwas Intimes. Deshalb braucht es Vertrauen. Und genau das biete ich – ohne Verpflichtung, ohne Erwartungsdruck.
Viele Rotarier haben ein grosses Herz, und gleichzeitig fällt es ihnen schwer, über Geld zu sprechen. Woran, glaubst du, liegt das?
Viele möchten etwas Gutes tun, doch es fehlt der passende Rahmen, um darüber zu sprechen. Spenden ist etwas sehr Persönliches. Da geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Vertrauen, Verantwortung und um Werte, die man weitergeben möchte. Deshalb planen wir ein Webinar, das genau diesen Dialog ermöglichen soll – offen, diskret und respektvoll. Mit dabei sind neben Notaren, Stiftungsvertreterinnen und erfahrenen Spendern auch Menschen, die sich erst einmal ganz unverbindlich informieren möchten. Ich spreche dabei auch über meine persönliche Entscheidung – und warum ich überzeugt bin, dass eine Spende an die Rotary Foundation weit über die eigene Lebenszeit hinauswirken kann.
Was rätst du Rotary Clubs, um das Thema Philanthropie stärker in den Fokus zu rücken?
Zuerst: offen darüber sprechen. Ich empfehle jedem Club, einmal im Jahr einen Anlass dem Thema Spenden zu widmen. Mit echten Geschichten, konkreten Beispielen, vielleicht auch mit ehemaligen Projektbeteiligten. Denn wenn sichtbar wird, was eine Spende bewirken kann, entsteht Inspiration. Und daraus wiederum entsteht Handlung.
Was wäre für dich das schönste Echo auf diesen Artikel?
Ich wünsche mir, dass der Artikel berührt. Dass er innehalten lässt – für einen Moment zwischen Alltag und Verpflichtungen. Vielleicht regt er dazu an, sich zu fragen: Was bleibt von mir? Nicht im Sinne eines Denkmals, sondern im Sinn von Wirkung, Sinn und Weitergabe. Ich hoffe, dass die Leser spüren: Gutes tun darf auch Freude machen, Grosses bewirken darf ganz leise beginnen – mit einem Gespräch, mit Vertrauen, mit einer Geste. Wenn daraus neue Begegnungen entstehen, neue Gedanken oder gar eine neue Bereitschaft, etwas Bleibendes zu ermöglichen, dann hat dieser Artikel seinen Zweck erfüllt.
Und wenn jemand einfach mal erste Gedanken teilen möchte?
Dann freue ich mich über den Kontakt. Ich stehe jederzeit für ein vertrauliches Gespräch bereit. Manchmal reicht schon ein Gedanke, und daraus entsteht später ein Weg. Nachhaltiges Spenden beginnt oft mit einem leisen Wunsch, der dann wachsen darf. Rotary bietet dafür den passenden Rahmen.
Zuständigkeiten in unserer Zone In jeder Rotary-Zone stehen erfahrene Führungskräfte, die sogenannten Regional Leaders, Clubs und Distrikten mit ihrer Expertise in speziellen Fachgebieten zur Seite. Für das Themenfeld Endowment/Major Gifts ist seit Beginn des aktuellen rotarischen Jahres PDG Ursula Schoepfer als Endowment/Major Gift Advisor verantwortlich. Sie berät zu grösseren Spenden und Vermächtnissen zugunsten der Rotary Foundation und begleitet Clubs, Distrikte und Einzelpersonen bei der Umsetzung entsprechender Vorhaben. Unterstützung erhält sie dabei von Kerstin Diegel aus dem Europa/Afrika Office in Zürich. Bis Ende des vergangenen rotarischen Jahres hatte PDG Daniel Marbot die Funktion des Assistant Endowment/Major Gift Advisors inne.
|