Jouni Heinonen, Distrikt-Governor 1990 für das Jahr 2025/26, stellt die Freundschaft in den Mittelpunkt der rotarischen Werte. Er versteht darunter eine Freundschaft, die auf Solidarität basiert, in der jeder für den anderen da ist und die von dem gemeinsamen Willen getragen wird, etwas Sinnvolles zu erreichen. Es überrascht daher nicht, dass er sich voll und ganz mit dem Jahresmotto von Rotary International identifiziert: „Unite for Good“.
Jouni, du bist Maschinenbauingenieur und hast bis vor kurzem für ein halbes Dutzend Unternehmen – Maillefer, Gurit, Nextrom, HeiLin – international gearbeitet, unter anderem als CEO. Ist dir der Übergang in den Ruhestand leicht gefallen?
In Wirklichkeit füllt mein Jahr als Governor meinen Terminkalender ziemlich gut aus – ich sehe keinen grossen Unterschied zu den vergangenen Jahren. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ich in der Schweiz reisen werde und nicht ins Ausland. Ich denke, dass sich der wirkliche Unterschied erst in einem Jahr zeigen wird.
Welche Lehren kannst du aus deiner beruflichen Erfahrung für deine Tätigkeit als Governor ziehen?
Ich war schon immer gut darin, Probleme zu lösen und Aufgaben zu delegieren. Ich habe früh erkannt, dass die wahre Stärke darin liegt, alle zu motivieren und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Alleine kann man vielleicht einen Stein bewegen, aber gemeinsam können wir Berge versetzen. Dieses Prinzip gilt auch für unsere wichtigsten Aktivitäten wie PolioPlus, den Jugendaustausch und den Berufsdienst, um nur einige zu nennen. Ich möchte starke Teams zu diesen zentralen Themen bilden. Der gleiche Ansatz gilt auch für die Clubs.
Worauf freust du dich in deinem Jahr als Governor am meisten?
Für mich bedeutet die Rolle des Governors eine Aufgabe im Dienste der Gemeinschaft. Ich freue mich sehr darauf, die Clubs und ihre Mitglieder kennenzulernen und sie bei ihren Projekten zu begleiten. Dieses Jahr wird für mich eine tolle Gelegenheit sein, viel zu lernen.
Du hast dir unter anderem zum Ziel gesetzt, das Programm «Visite» in der Westschweiz unter dem Namen «Moléson» zu etablieren. Warum ist das für Rotary so wichtig?
Das Projekt Moléson vereint mehrere wichtige Ziele von Rotary: Clubs zur Zusammenarbeit zu ermutigen, konkret für junge Menschen zu handeln und nicht nur im Ausland, sondern auch hier in der Schweiz aktiv zu werden. Ich schätze das Jugendaustauschprogramm (RYE) zum Beispiel sehr, aber man darf nicht vergessen, dass rund 75 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz eine Lehre absolvieren, was nicht ganz dem RYE-Modell entspricht. Diesen wichtigen Teil der Jugend dürfen wir nicht vernachlässigen.
Der Distrikt 1990 stellt derzeit den jüngsten Clubpräsidenten von Rotary Schweiz Liechtenstein: Er ist gerade einmal 21 Jahre alt! Was ist zu tun, damit er keine Ausnahme bleibt?
Ich sehe nur zwei Möglichkeiten, um dieser Herausforderung zu begegnen: Entweder erkennen die Clubs, dass junge Menschen etwas anderes suchen als das, was sie derzeit bieten, oder wir müssen neue Clubs für die junge Generation mit einem etwas anderen Auftrag gründen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sich die bestehenden Clubs weiterentwickeln und für junge Menschen attraktiver werden. Ich biete meine volle Unterstützung an, um sie bei diesem Wandel zu begleiten.
Neben der Jugend liegt dir auch die Zusammenarbeit zwischen den Clubs besonders am Herzen.
Wir können immer voneinander lernen. Durch die Zusammenarbeit zwischen Clubs lassen sich Projekte effizienter umsetzen. Beispiele dafür gibt es viele: von Grossprojekten wie PolioPlus über lokale Projekte bis hin zu weltweiten Zuschüssen im Rahmen der Global Grants. Ich komme gerade aus dem Walliser Dorf Blatten, einem schönen Beispiel dafür, was wir gemeinsam erreichen können.
Was machst du gerne, um dich zu entspannen und fit zu bleiben?
Ich bin ein begeisterter Golfer und Langläufer. Ausserdem habe ich drei sehr aktive Enkelkinder – die halten mich auf Trab, das ist sicher!
Welches ist deine grösste Stärke?
In meinem gesamten Berufsleben war ich immer derjenige, der Probleme gelöst hat, oft in einem multikulturellen Umfeld. Der Schlüssel liegt darin, genau zu verstehen, was wirklich passiert ist, und faire Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten von Vorteil sind. Das ist gar nicht so weit entfernt von den vier Fragen von Rotary, oder?
People of Action
Jouni Heinonen wurde 1960 in Finnland geboren. Der international tätige Maschinenbauingenieur kam 1989 in die Schweiz und lebt heute mit seiner Frau Pirkko-Liisa Lintilä in Les Cullayes im Kanton Waadt. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter und drei Enkelkinder. Jouni trat vor elf Jahren dem Rotary Club Aigle bei, als er CEO von Plumettaz in Bex war. Nach einem beruflichen Wechsel trat er 2014 dem RC Jorat bei, dessen Präsident er 2020/21 war. Von 2021 bis 2023 war Jouni Heinonen als Assistant Governor im Distrikt 1990 tätig. Der Wahlschweizer möchte den Fokus auf die Jugend, die Zusammenarbeit zwischen den Clubs und die Rekrutierung neuer Mitglieder legen. Dazu setzt er insbesondere auf eine Stärkung das Programms «Visite» in der Westschweiz, auf die Kommunikation über Polaris und die sozialen Medien sowie auf den Austausch mit Rotaract.