Auf einem historischen Schoner wird «Fellowship» nicht lange erklärt. Sie entsteht beim Segelsetzen, beim gemeinsamen Manövrieren, beim Kaffee im Salon und beim Blick über die Reling.Der Ostseetörn der IYFR Swiss Fleet auf der Abel Tasman zeigte, weshalb rotarische Freundschaft auf dem Wasser eine ganz eigene Kraft entfaltet.
Die Abel Tasman ist kein Schiff für Menschen, die auf See vor allem an Swimmingpool, Abendshow und sieben Bars denken. Der Zweimast-Schoner wurde 1913 gebaut, war einst als Frachtschiff in der Ostsee unterwegs und bringt heute Segelbegeisterte dorthin zurück, wo Wind, Wasser und Teamwork den Tagesablauf bestimmen. 40 Meter lang, 200 Tonnen schwer, 450 Quadratmeter Segelfläche – schon die Zahlen machen klar: Hier geht es nicht um dekoratives Mitsegeln, sondern ums gemeinsame Anpacken.
Vom 6. bis 12. September 2025 waren 18 Segelbegeisterte der IYFR Swiss Fleet auf der Abel Tasman unterwegs. Die Idee zu diesem besonderen Format hatte Commodore PDG Bea Seiterle: Statt wie üblich mit drei oder vier Yachten in See zu stechen, wollte die Swiss Fleet diesmal gemeinsam einen historischen Schoner erleben. Aus dieser Idee wurde eine Woche auf der Ostsee – mit Kurs auf deutsche und dänische Häfen. Der Törn führte von Eckernförde über Schleimünde, Ærøskøbing, Lohals, Svendborg, Sønderborg und Kappeln zurück nach Eckernförde. Rund 200 nautische Meilen lagen vor der Crew; ein grosser Teil davon wurde unter Segel zurückgelegt. Wer dabei war, lernte rasch: Auf einem historischen Schoner segelt niemand allein. Fallen müssen bedient, Schoten eingestellt, Segel gesetzt und wieder geborgen werden. Beim Hissen sind Kraft und Koordination gefragt, beim Manövrieren Vertrauen und klare Kommunikation.
Schon die Ankunft im Hafen hatte etwas von einer kleinen Verheissung. Unübersehbar lag die Abel Tasman am Quai: zwei Masten, eine eindrückliche Zahl von Tauen, Taljen, Blöcken, Mastleitern und Belegnägeln. Dazu Kabinen, die für zwei bis drei Personen ausgelegt sind, Gemeinschaftsduschen, drei WCs, ein Salon mit stets gefülltem Kaffeekrug – und viel Platz an Deck, zwischen Klüvernetz und Achterdeck, um Wind, Wetter und Weite zu erleben. Komfort? Ja, aber nicht im Sinne schwimmender Hotellerie. Eher im Sinne einer wohltuenden Reduktion auf das Wesentliche.
Ein Teil des Reizes solcher Törns liegt in dieser unmittelbaren Einfachheit. Das Leben an Bord ist direkt und gemeinschaftlich. Man teilt Kabinen, Mahlzeiten, Wetter, Arbeit und Aussicht. Am Morgen entscheidet nicht ein Programmheft über den Tag, sondern Wind, Route und Kapitän. Segel werden gemeinsam gesetzt, Manöver gemeinsam gefahren, Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Wer an Bord ist, ist Teil des Ganzen. Und wer einmal versucht hat, ein Grosssegel samt Gaffel zu bewegen, weiss, dass Teamwork auf See keine hübsche Floskel ist.
Zur Crew der Abel Tasman gehörten Kapitän Jeroen, seine Partnerin Marian, Sohn Stijn als Steuermann und Coach der Gästecrew sowie Roos, die in der Kombüse für das kulinarische Wohl sorgte. Unter ihrer Anleitung wuchs die rotarische Crew von Tag zu Tag stärker in die Abläufe hinein. Aufgetakelt wurde von Bug nach Achtern: Fock, Schoner- und Grosssegel. Dazu die Klüversegel, die auf dem Klüverbaum auch etwas artistischen Einsatz verlangten. Wenden und Halsen wurden zur gemeinsamen Übung in Abstimmung, Aufmerksamkeit und Vertrauen.
Dass ein 200-Tonnen-Schiff unter Segeln erstaunlich ruhig und leicht auf Kurs zu halten ist, gehörte zu den schönen Erfahrungen des Törns. Die grosse Segelfläche stabilisierte die Abel Tasman, der Wellengang wurde gedämpft, die Fahrt bekam ihren eigenen Rhythmus. Nicht alles liess sich allein mit Segeln lösen. In engen Fahrrinnen wie der Schlei oder dem Svendborgsund kam der Hilfsmotor zum Einsatz. Auch das gehört zur Ehrlichkeit eines Törns: Romantik ist schön, Navigation ist besser.
Die Route bot reichlich Stoff für Erinnerungen. In Ærøskøbing empfing die Crew ein geschützter Hafen und ein historischer Stadtkern mit Kopfsteinpflaster, niedrigen Kaufmannshäusern und engen Gassen. Am Abend schloss eine Mondfinsternis mit Blutmond den Tag ab. Vor Svendborg zeigte sich die Abel Tasman mit gesetzten Toppsegeln von ihrer schönsten Seite; kurze Fahrten mit dem Beiboot ermöglichten jene Bilder, die später mehr erzählen als lange Erklärungen. In Sønderborg lag der Schoner unmittelbar beim Schloss, flankiert von weiteren historischen Schiffen. Und durch die Schlei ging es schliesslich zurück Richtung Kappeln, vorbei an grüner Flusslandschaft, Brücken, Häfen und dem besonderen Zauber jener Küstenregion, in der Deutschland und Dänemark nautisch nahe beieinanderliegen.
Hinter diesem Törn steht die International Yachting Fellowship of Rotarians, kurz IYFR. Sie verbindet Rotarier, die ihre Freude am Wasser mit Fellowship und internationalem Austausch verbinden. Die Schweizer Flotte ist Teil dieses weltweiten Netzwerks. Ihre Aktivitäten reichen von Anlässen auf Schweizer Gewässern bis zu mehrtägigen Törns im Ausland. Im Mittelpunkt steht dabei nicht sportlicher Ehrgeiz allein, sondern die besondere Form von Gemeinschaft, die auf dem Wasser entsteht: Man lernt einander rasch kennen, weil man gemeinsam unterwegs ist, gemeinsam entscheidet, gemeinsam anpackt.
Von vielen anderen Reiseformen unterscheidet sich ein solcher Törn durch die besondere Nähe. Auf einem Schiff kann man sich nur begrenzt aus dem Weg gehen. Das mag zunächst nach Herausforderung klingen, ist aber oft das Beste daran. Gespräche entstehen nicht beim offiziellen Programmpunkt, sondern beim Kaffee im Salon, beim Blick über die Reling, beim Warten auf die nächste Brückendurchfahrt oder nach einem gelungenen Manöver an Deck. Rotary wird hier nicht erklärt, sondern gelebt: in Verlässlichkeit, Rücksichtnahme, Humor und der Freude an gemeinsamer Erfahrung.
Am Ende führte der Weg zurück nach Eckernförde. Zwischen der professionellen Crew der Abel Tasman und den rotarischen Gästen war in dieser Woche ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Die einen attestierten der Schiffsmannschaft nautische und menschliche Kompetenz, die anderen erkannten das Teamwork und die Fachkompetenz der Gästecrew an. Danach ging es weiter nach Hamburg, wo ein gemeinsamer Abschlussabend mit deutschen Freunden stattfand. Vom Hotel aus liess sich beobachten, wie das Kreuzfahrtschiff Vasco da Gama mit Feuerwerk verabschiedet wurde: 1000 Passagiere, 500 Besatzungsmitglieder, fünf Restaurants, sieben Bars, Pools und umfangreiches Bordprogramm.
Nach einer Woche auf der Abel Tasman wirkte das fast wie eine andere Welt. Oder, wie es im Reisebericht von PRID Urs Klemm heisst: «Erstaunlich, worauf man gewinnbringend verzichten kann!»
In diesem Satz steckt viel von dem, was die IYFR Swiss Fleet ausmacht. Es geht nicht um Verzicht aus Prinzip. Es geht um die Erfahrung, dass weniger manchmal mehr Nähe schafft: weniger Komfortprogramm, mehr Begegnung; weniger Konsum, mehr Wind im Gesicht; weniger Zuschauerrolle, mehr gemeinsames Tun. Wer unter rotarischer Flagge unterwegs ist, reist nicht einfach von Hafen zu Hafen. Er wird Teil einer Crew.
Mitsegeln bei der IYFR Swiss Fleet
Die IYFR Swiss Fleet freut sich über neue Mitglieder. Willkommen sind Rotarier, die Freude am Wasser, am Segeln, an gemeinsamen Törns und an internationaler Fellowship haben. Eigene Hochsee-Erfahrung ist nicht zwingend Voraussetzung; entscheidend sind Interesse, Teamgeist und die Bereitschaft, sich auf das Leben an Bord einzulassen.
Ein Höhepunkt im laufenden Jahr ist der Segeltörn vor Sizilien: Die Schweizer Flotte wird 2026 mit vier Booten unterwegs sein, begleitet von einem weiteren Boot der Flotte Nord aus Deutschland – fünf Yachten unter rotarischer Flagge.
Der Törn ist bereits ausgebucht.
Der nächste grössere Törn ist jedoch schon in Planung: 2027 soll es in die Türkei gehen. Interessierte Rotarier können sich bereits jetzt bei der IYFR Swiss Fleet melden.