Beim Treffen der Past Governors in Lugano ging es um mehr als Jahresberichte. Im Zentrum stand, was Rotary über Amtsjahre hinweg stark macht: Erfahrung, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung weiterzugeben.
Bei Rotary hat der Kalender eine klare
Zäsur: Am 30. Juni endet das Amtsjahr. Nur endet damit eben nicht alles, was in
diesem Jahr angestossen wurde. Projekte laufen weiter, Kontakte bleiben,
Erfahrungen wirken nach. Genau dafür gibt es das jährliche PDG-Treffen. Am 8.
und 9. Mai kamen die früheren Governors in Lugano zusammen – zum Austausch über
laufende Themen, offene Fragen und die Zusammenarbeit der drei Distrikte 1980,
1990 und 2000.
Lugano bot dafür einen passenden Rahmen:
südlich, offen, gastfreundlich und geschichtsträchtig zugleich. Bereits am
Freitag führte eine Führung durch die Gassen der Stadt, vorbei an der
Cattedrale San Lorenzo, der Piazza Cioccaro, der Via Nassa und dem LAC. Am
Abend folgten Apéro, gemeinsames Dinner und Gespräche mit dem Governorrat sowie
weiteren Gästen. Am Samstag wurde gearbeitet: Die PDG-Konferenz begann mit der
Begrüssung durch Christoph Blaser, der im Rotary-Jahr 2025/26 den Vorsitz des
Governorrats Schweiz/Liechtenstein innehatte.
Ein wichtiger Moment galt dem Gedenken an
zwei verstorbene rotarische Freunde: PDG Marc Naville und PDG Peter Gut. Marc
Naville war seit 1976 Rotarier, Paul Harris Fellow und Mitglied des RC Bad
Ragaz. Peter Gut prägte als Gründungsmitglied den RC Küsnacht und blieb seinem
Club bis zuletzt eng verbunden.
Danach ging es um die Gegenwart – und um
einen Satz, der schlicht klingt, aber viel über gutes rotarisches Arbeiten
sagt: Wer ein Projekt startet, soll es bis zum Ende weiterverfolgen, auch wenn
es die eigene Amtszeit überschreitet. In der Praxis wird daraus schnell mehr
als ein organisatorischer Hinweis. Es geht um Verlässlichkeit bei
Katastrophenhilfe, Mitgliederentwicklung, Jugendprogrammen, Kommunikation und
der Kooperation zwischen den drei Distrikten.
Wie handfest diese Arbeit ist, zeigte die
Hilfe nach den Wasserfluten im Tessin, im Wallis und in der Mesolcina.
Insgesamt wurden Unterstützungsbeiträge von 186921 Franken ausgewiesen – unter
anderem für die Feuerwehrhalle in Peccia, Wasserleitungen in der Lavizzara, den
Wiederaufbau der Ponte San Rocco in Cevio, Unterstützung im Wallis sowie Hilfe
für Betroffene und Landwirte in der Mesolcina. Das sind keine abstrakten
Beträge aus einer Tabelle. Dahinter stehen Gemeinden, Familien, Betriebe und
Menschen, die nach einer Katastrophe wieder Halt finden müssen.
Auch die drei Governors des Rotary-Jahres
2025/26 brachten ihre Erfahrungen ein: John Manning für den Distrikt 1980,
Jouni Heinonen für den Distrikt 1990 und Andrea Weber Allenspach für den
Distrikt 2000. Sie sprachen über Projekte, Clubleben, Herausforderungen und die
vielen kleinen und grossen Entscheidungen, die ein Governorjahr prägen. Mit Urs
F. Meyer, René Loretan und Dieter Bambauer kamen zugleich jene drei Rotarier zu
Wort, die ab 1. Juli die Verantwortung in den Distrikten tragen.
Zum Abschluss übergab Christoph Blaser den Vorsitz
im Governorrat an Jouni Heinonen. Ein formaler Akt, gewiss. Aber auch ein
schönes Bild für Rotary: Ämter wechseln, Erfahrung bleibt. Und manchmal liegt
die Stärke einer Organisation genau darin, dass niemand ganz bei null beginnt.