Nachgefragt: Wie schafft man es eigentlich… … Genuss und soziales Engagement glaubwürdig zu verbinden?

maandag 10 augustus 2026

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Rot. Kristofer Roelli vom RC St. Gallen-Rosenberg gehört zu den Menschen hinter Rosaly.social – einer Initiative, die regionale Produkte mit sozialem Engagement verbindet. Was auf den ersten Blick wie ein genussvoller Vertrieb aussieht, erzählt bei näherem Hinsehen von einer zeitgemässen Form rotarischer Verantwortung.

Lieber Kristofer, ehe wir tiefer einsteigen: Was macht Rosaly eigentlich?

Rosaly.social verbindet regionale Genussprodukte mit sozialem Engagement. Konkret bedeutet das: Menschen kaufen bewusst ein – etwa Wein, Honig, Käse oder Schokolade – und mit jedem Kauf wird ein sozialer Beitrag ermöglicht, der nach einem transparenten Mechanismus in unterstützte Projekte fliesst.

Uns gefällt die Idee, dass Genuss nicht im Widerspruch zu Verantwortung stehen muss. Im Gegenteil: Man kann sich selbst oder anderen etwas Gutes tun und gleichzeitig gesellschaftlich etwas bewegen.

Wie ist die Idee entstanden?

Die Grundidee entstand aus einer einfachen Beobachtung: Viele Menschen möchten heute sinnvoll konsumieren, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Gleichzeitig suchen soziale Projekte nach nachhaltigen Finanzierungsmodellen. Daraus entstand die Frage: Weshalb verbindet man nicht beides? Statt einmal pro Jahr einen Benefizanlass zu organisieren, wollten wir soziale Wirkung stärker in den Alltag integrieren. Früher organisierte man einen Benefizanlass, sammelte Spenden und hoffte auf einen erfolgreichen Abend. Rosaly versucht dagegen, soziales Engagement in den Alltag zu holen.

Ist das ein Zeichen dafür, dass sich auch Solidarität verändert?

Ja, vermutlich schon. Solidarität wird heute oft spontaner, persönlicher und alltagsnäher gelebt. Menschen möchten nachvollziehen können, was ihre Unterstützung konkret bewirkt. Gleichzeitig fehlt vielen schlicht die Zeit für klassische Vereins- oder Benefizstrukturen. Rosaly versucht deshalb, Verantwortung nicht als «Sonderanlass», sondern als Teil normaler Konsumentscheidungen zu verstehen. Rosaly ersetzt klassische Benefizanlässe nicht, sondern ergänzt sie um eine Form von Engagement, die niederschwellig zugänglich ist.

Rosaly verkauft Genussprodukte – Wein, Käse, Honig oder Schokolade. Warum funktionieren gerade solche Produkte als Botschafter für soziales Engagement?

Weil Genuss verbindet. Gute Produkte schaffen Emotionen, Gespräche und gemeinsame Momente. Ein Wein oder ein regionales Geschenk erzählt immer auch eine Geschichte – über Herkunft, Menschen und Werte. Wenn dabei zusätzlich noch soziale Projekte unterstützt werden, entsteht eine sehr natürliche Verbindung. Das wirkt oft stärker als reine Spendenkommunikation.

Viele Menschen möchten heute bewusst einkaufen, gleichzeitig aber nicht ständig moralisch belehrt werden. Wie begegnet Rosaly dieser Balance?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Niemand möchte beim Einkaufen ein schlechtes Gewissen vermittelt bekommen. Deshalb setzen wir nicht auf Moral, sondern auf positive Wirkung. Die Produkte sollen in erster Linie Freude machen und qualitativ überzeugen. Der soziale Beitrag ist ein zusätzlicher Mehrwert – nicht der moralische Kaufgrund. Der klassische Spendenaufruf erreicht oft vor allem jene, die ohnehin engagiert sind.

Erreicht man über Genussprodukte vielleicht auch Menschen, die sonst nie mit sozialen Projekten in Berührung kämen?

Davon sind wir überzeugt. Viele Menschen würden sich durchaus engagieren, wenn der Zugang unkompliziert ist. Nicht jeder besucht Benefizanlässe oder spendet aktiv. Aber fast alle kaufen Geschenke, bringen Wein mit oder geniessen regionale Produkte. Genau dort entsteht eine neue Möglichkeit, Menschen niederschwellig mit sozialen Themen in Kontakt zu bringen. Rosaly senkt die Einstiegshürde: Man muss nicht zuerst ein Spendenprojekt suchen, sondern kann über einen bewussten Kauf unkompliziert etwas beitragen.

Viele Menschen reagieren inzwischen skeptisch auf soziale Versprechen von Marken. Wie verhindert man, dass Rosaly nicht bloss wie hübsches Marketing wirkt?

Indem man transparent bleibt und ehrlich kommuniziert. Wir versuchen sehr klar aufzuzeigen, wohin Mittel fliessen und welche Projekte unterstützt werden. Zudem stehen hinter Rosaly echte Menschen und persönliche Beziehungen. Das hilft enorm. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch schöne Slogans, sondern durch Konsequenz und langfristiges Engagement. Entscheidend ist, dass Käufer nachvollziehen können, welche Projekte unterstützt werden und nach welchem Mechanismus die Mittel weitergeleitet werden. Wir teilen dem Käufer mit, welchen «Wirkungsbeitrag in Franken» dieser Kauf auslöst.

Wie wichtig ist der persönliche Kontakt zu den Menschen hinter den unterstützten Projekten?

Sehr wichtig. Gerade im sozialen Bereich zählt Vertrauen enorm. Wenn man die Verantwortlichen kennt, ihre Arbeit versteht und Entwicklungen direkt mitverfolgen kann, entsteht eine ganz andere Verbindung. Persönlicher Kontakt hilft uns auch, Projekte nicht nur finanziell, sondern inhaltlich zu verstehen und glaubwürdig darüber zu berichten.

Rosaly entstand im Umfeld eines Rotary Clubs. Wie stark prägt Rotary die Initiative bis heute?

Rotary prägt Rosaly vor allem über die Haltung dahinter: Verantwortung übernehmen, Beziehungen nutzen, Vertrauen schaffen und gesellschaftlich etwas zurückgeben. Gleichzeitig ist Rosaly bewusst so gestaltet, dass die Initiative auch Menschen ausserhalb von Rotary anspricht.

Ganz grundsätzlich: Was sagt ein Projekt wie Rosaly eigentlich über unsere Zeit aus?

Vielleicht, dass Menschen heute stärker nach Sinnhaftigkeit suchen – auch im Konsum. Herkunft, Qualität, Transparenz und gesellschaftliche Wirkung werden wichtiger. Gleichzeitig sehnen sich viele nach echten, regionalen Geschichten und nach mehr Nähe in einer sehr digitalen Welt. Rosaly zeigt, dass Konsum heute nicht nur funktional ist. Menschen interessieren sich zunehmend dafür, woher Produkte kommen, wer dahintersteht und welche Wirkung ein Kauf entfalten kann.

Und was könnten andere Clubs von Euch lernen?

Rosaly ist aus einem Clubumfeld entstanden, aber die Idee lebt von Zusammenarbeit. Vielleicht ist es eine Idee, dass andere Clubs eigene regionale Produkte einbringen. Spannend wäre, Rosaly nicht als abgeschlossenes Projekt zu verstehen, sondern als Plattform, über die sich soziale Wirkung, regionale Qualität und rotarisches Engagement verbinden lassen. Wichtig ist weniger die Grösse eines Projekts, sondern eine glaubwürdige Idee, Verlässlichkeit und die Freude daran, gemeinsam etwas zu bewegen.

Was sich übertragen lässt

Den Alltag nutzen, statt Einzelanlässe planen: Rosaly zeigt, dass soziales Engagement nicht immer an Galaabende oder Benefizaktionen gebunden sein muss.

Regionale Partner einbeziehen: Die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten schafft Vertrauen, Sichtbarkeit und gemeinsame Verantwortung.

Soziale Wirkung konkret machen: Menschen unterstützen Projekte eher, wenn nachvollziehbar bleibt, wohin das Geld fliesst und was daraus entsteht.

Nicht nur Spenden sammeln, sondern Beziehungen aufbauen: Langfristige Partnerschaften mit Produzenten und Projekten sorgen für Kontinuität.

Genuss darf Teil des Engagements sein: Soziale Projekte müssen nicht immer mit Verzicht oder moralischem Druck verbunden werden, im Gegenteil! Wer sich wohlfühlt, spendet eher.

Ein Modell entwickeln, das zum eigenen Club passt: Nicht jede Initiative muss gross starten. Entscheidend ist eine glaubwürdige Idee, die langfristig wirkt und ausgebaut werden kann.

Rot. Kristofer Roelli vom RC St. Gallen-Rosenberg gehört zu den Menschen hinter Rosaly.social