Die Rotarierin Magaly Ecoeur hat täglich mit dem Tod zu tun, und dennoch hat sie nach eigener Aussage den schönsten Beruf der Welt. Sie kümmert sich gerne um Verstorbene, kleidet sie an, frisiert sie und bereitet sie sorgfältig auf ihr letztes Treffen mit ihren Angehörigen vor. Auf diese Weise, sagt sie, erweise sie den Verstorbenen einen Dienst ... und den Hinterbliebenen.
Die Tür des Bestattungsunternehmens Pompes Funèbres Mottiez Sàrl in Monthey öffnet sich auf einen grosszügigen, lichtdurchfluteten Raum. Magaly Ecoeur empfängt mit einem offenen, herzlichen Lächeln. Sie strahlt in ihrem himbeerfarbenen Blazer, ihre Brille mit dem breiten Rahmen ist ebenso stylish wie ihre Frisur. Es überrascht kaum zu erfahren, dass sie zunächst eine Lehre als Coiffeuse absoliverte und sich anschliessend zur Schneiderin ausbilden liess. Aber warum in aller Welt ist sie Bestattungsberaterin geworden? Magaly lächelt: Sie weiss, dass ihr Beruf die Leute aufhorchen lässt. «Es stimmt, man wacht nicht eines Morgens auf und beschliesst, Bestatterin zu werden.» Sie erklärt, dass sie nach einer Arbeit gesucht habe, in der sie sich wirklich nützlich fühlen könne. Und in ihren Augen ist ihre heutige Aufgabe doppelt nützlich: «Ich erweise den Verstorbenen einen Dienst ... und den Hinterbliebenen.»
Fehler dürfen nicht sein
Sie erzählt, wie gerne sie sich um die Verstorbenen kümmert: sie ankleidet, frisiert, für das letzte Treffen mit ihren Angehörigen schön macht. „Unsere Aufgabe ist wichtig. Wir können uns keine Fehler leisten“, betont sie. Und das aus gutem Grund: Ein Fehler in diesem Beruf kann irreparable Folgen haben. Die falsche Person beerdigen ... Magaly hat diesen Albtraum noch nie erlebt, aber sie weiss, dass er vorkommen kann. Denn Bestattungsunternehmen koordinieren eine Vielzahl von Dingen rund um einen Todesfall: von der Todesanzeige über die Meldung beim Einwohneramt bis hin zur Bestellung der Blumen beim Floristen. Als Perfektionistin sorgt Magaly dafür, dass am Tag der Beerdigung alles tadellos ist. „Ich setze mich selbst sehr unter Druck, denn eine negative Erinnerung schadet unserem Ruf, auch wenn wir nichts dafür können”, erklärt sie.
Was ihr am meisten Stress bereitet? Ein Problem mit der Musik. Auch wenn sie vor der Trauerfeier immer einen Testlauf in der Kirche macht, kann es dennoch zu technischen Pannen kommen – was ihr auch schon einmal passiert ist. Verständlich also, dass sie ihr eigenes Backup-System immer dabei hat. Ihre schlimmste Erinnerung ist jedoch ganz anderer Natur: „Ein Pfarrer hatte einer Verstorbenen, die mit Exit aus dem Leben geschieden war, Vorwürfe gemacht. Ich musste den Sohn , der auf ihn losgehen wollte, zurückhalten”, erinnert sie sich. Sie seufzt, weil sie unmöglich alles konrollieren kann. „Das ist frustrierend ... Denn wenn etwas schiefgeht, ist das kompliziert. Man begräbt seine Mutter oder seinen Vater nur einmal im Leben.”
Die eigene Beerdigung planen
Plötzlich geht die Eingangstür auf, und eine ältere Dame steckt den Kopf herein. Sie teilt Magaly in einem fröhlichen Lachen mit, dass sie einen Termin für eine Vorsorge vereinbaren möchte. Eine Bestattungsvorsorge? Magaly lächelt ob dem fragenden Blick der Journalistin und erklärt, nachdem sie den Termin vereinbart und die Besucherin verabschiedet hat: „Das ist ein echter Trend, den ich seit Beginn meiner Tätigkeit vor rund zehn Jahren beobachte. Die Menschen möchten sicher sein, dass ihr Abschied genau so verläuft, wie sie es sich vorstellen – von der Wahl des Sargs oder der Urne über die Musik in der Kirche bis hin zur Todesanzeige. Oft möchten sie ihren Kindern die Last ersparen, sich darum kümmern zu müssen."
Die Last, das bedeutet die Organisation wie auch die Finanzierung der Beerdigung. Um die Kosten im Voraus zu decken, wird ein spezielles Bankkonto im Namen der Person eröffnet, auf dem das Bestattungsunternehmen als Begünstigte eingetragen ist und auf das der erforderliche Betrag eingezahlt wird. «Es ist auch möglich, direkt bei uns eine Versicherung abzuschliessen und regelmässig Beiträge einzuzahlen», erklärt die Beraterin.
Asche in der Natur
Ob Eltern oder Kinder, alle haben heute eine einfachere Vorstellung von Beerdigungen. Magaly, gebürtige Walliserin, die in dieser Region aufgewachsen ist und dort ihr ganzes Leben verbracht hat, sieht die Zahl der Kirchgänger auch in ihrem katholischen Kanton zurückgehen. Nicht selten wünschen ihre Kunden "etwas Einfaches, wie bei den Protestanten", sagt sie schmunzelnd. Wie die Kirchen verlieren auch die Friedhöfe an Bedeutung. Ein fester Ort zum Gedenken ist nicht mehr selbstverständlich. Im Gegenteil: Der deutlichste Trend, den sie in ihrem Beruf beobachtet, ist die Rückkehr zur Natur. „Die Menschen möchten die Asche eines Angehörigen auf einer Wiese, im See oder in den Bergen verstreuen – bei uns am liebsten am Fusse der Dents du Midi“, erklärt sie. Vielen sei übrigens gar nicht bewusst, dass das Verstreuen von Asche in der Schweiz „absolut legal“ sei.
Magaly schätzt diese Momente im Freien, die heute etwa die Hälfte der von ihr begleiteten Bestattungen ausmachen, ganz besonders: «Die Atmosphäre, die Umgebung ... es ist unglaublich», sagt sie bewegt. Aber sie fügt sofort hinzu: „Alle Arten von Trauerfeiern sind schön, solange sie zu der Person passen.” Die Asche im Gemeinschaftsgrab eines Friedhofs zu begraben, sei ebenfalls eine häufig gewählte Option. „Das ist eine Art Kompromiss."
Ein anspruchsvoller Beruf
Doch schon muss Magaly wieder ihr Handy abnehmen, das während unseres Gesprächs mehrmals geklingelt hat. Wie hatte sie gesagt? Es gebe keinen typischen Arbeitstag in diesem Beruf, in dem Unvorhersehbares zum Alltag gehört – der Tod allen voran. Was sollte eine Bestattungsberaterin sonst noch mitbringen? Magaly nennt die Balance: „Man muss menschlich bleiben und Emotionen zulassen, aber trotzdem Distanz wahren, um weiterarbeiten zu können.“ Sie rät jüngeren Menschen übrigens von diesem Beruf ab. Denn: Manche Situationen sind sehr schwer zu ertragen, wie zum Beispiel der Tod eines Babys. Oder Familien, die so zerrissen sind, dass sie nicht mehr miteinander sprechen. „Es ist mir schon passiert, dass ich nicht nur getrennte Besprechungen, sondern auch getrennte Trauerfeiern organisieren musste“, seufzt sie. Manchmal zeigen sich die Spannungen schon beim ersten Treffen: „Die Menschen nehmen immer weniger auf sich. Es kommt vor, dass schon beim ersten Gespräch Streitereien um das Erbe ausbrechen.“ Nach einer kurzen Pause lächelt sie aber wieder: „Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Aber man braucht schon ein gewisses Mass an Erfahrung.“
Assistentin im Operationssaal
Und vor allem muss man mit dem Tod im Reinen sein. Magaly begegnete ihm zum ersten Mal, als sie im Operationssaal des Krankenhauses von Monthey arbeitete. Denn bevor sie Bestattungsberaterin wurde, hatte sie zusätzlich zu ihren beiden Abschlüssen als Coiffeuse und Schneiderin noch eine Ausbildung zur Fachassistentin absolviert. «Ich konnte bereits Haare frisieren und schminken, Kleider ausbessern ... und Herzschrittmacher entfernen», sagt sie und fügt strahlend hinzu: «Ich war für diesen Beruf prädestiniert.» Zunächst musste sie jedoch ihren ehemaligen Chef davon überzeugen, dass eine Frau diesen Beruf ebenso problemlos ausüben kann wie ein Mann. Magaly bewies ihre Entschlossenheit – und übernahm schliesslich die Leitung des Unternehmens, das sie gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Thierry führt.
Im Jahr 2021 klopfte der Rotary Club von Monthey bei ihr an. Seit April 2022 ist sie begeistertes Mitglied. „Ich liebe die Kameradschaft dieses tollen Teams!“ Sie räumt auch ein, dass ihr die Mitgliedschaft bei Rotary beruflich zugute gekommen ist: Sie hat sich dadurch noch bekannter gemacht. Vor allem aber findet sie bei Rotary, was ihr am meisten am Herzen liegt: sich nützlich zu fühlen. Die letzte Aktion des RC Monthey veranschaulicht diesen Geist sehr gut. Er hat einen Gin kreiert, dessen Verkaufserlös an die Aktion Morane, die sich gegen Mobbing unter Jugendlichen einsetzt, gespendet wird.