Rotarier im Fokus: Philipp Kläy

mánudagur, 2. maí 2022

Die International Yachting Fellowship of Rotarians ist die älteste und grösste rotarische Kameradschaft. Seit 2006 gibt es auch eine Schweizer Flotte, die IYFR Schweiz. Commodore Philipp Kläy spricht im Interview über die Leidenschaft fürs Segeln und rotarische Werte.

Herr Kläy, was kommt Ihnen beim Wort Wasser spontan in den Sinn?
PK: Wasser ist lebenswichtig. Ohne Wasser überleben wir maximal drei Tage.

Oh, waren Sie selbst bereits einmal in einer kritischen Situation?
Nein, das nicht. Aber Wasser hat als Lebenselixier eine starke Bedeutung für mich. Ich finde zudem, dass Wasser enorm beruhigt. Ich bin in Basel am Rhein aufgewachsen und war damit immer in der Nähe von Wasser, hatte schon als Bub Freude am Windsurfen und am Hobbycat in den Ferien. Auch Motorbootfahren fand ich toll. Mein Vater hat mir erzählt, dass meine Augen so richtig strahlten, als uns einer seiner Freunde auf sein Motorboot auf den Rhein einlud. Da war ich acht Jahre alt.

Und woher kommt Ihre Begeisterung fürs Segeln?
Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch, als mich ein Freund 2012 auf einen IYFR-Segeltörn in die Ägäis einlud. Ich mochte die «Action» des Motorbootfahrens, aber Segeln? Doch dann hat es mir buchstäblich «den Ärmel reingezogen»: Segeln bedeutet die totale Entschleunigung. Diese nachhaltige Art der Fortbewegung mit den Kräften der Natur hat mich so begeistert, dass ich innerhalb von nur zehn Monaten sämtliche Segelausweise erwarb. 

Dank des IYFR Schweiz können Sie diese Leidenschaft nun auch im Rahmen von Rotary leben. Da kommt eins zum anderen?
 Ja. Ich war damals im rotarischen Aufnahmeprozess, als ich auf den Segeltörn eingeladen wurde, der Freund war bereits Rotarier. Für mich war es naheliegend, 2013 nach meiner Aufnahme im RC Basel-Wettstein sogleich auch bei der Schweizer Flotte des IYFR Mitglied zu werden. Beide Mitgliedschaften ergänzen sich: Ich kann meine rotarische Pflicht erfüllen und gleichzeitig meine Segelleidenschaft leben. Zudem schliesse ich Bekanntschaften über die Grenzen meines eigenen Clubs hinaus. Diese Leute treffe ich immer wieder, so dass viele von ihnen echte Freunde geworden sind.

Auf einem Segelboot leben Menschen auf engem Raum zusammen. Eine Zerreissprobe für Kameraden? 
Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass eine Ehe, die einen Segeltörn übersteht, für immer hält. (lacht) Ich habe mit meiner Frau viele Seemeilen zurückgelegt, und wir sind immer noch glücklich verheiratet.

Gratuliere!
Danke. Ich habe auf meinen zahlreichen Segeltörns auch sonst nie negative Erfahrungen gemacht, im Gegenteil. Andere Menschen mit ganz unterschiedlichen Horizonten und Erfahrungen kennenzulernen, ist eine grosse persönliche Bereicherung. Zudem verbindet die gemeinsame Leidenschaft für das Meer. Es wissen alle, worum es geht auf einem Schiff: Man funktioniert nur als Team.

Auf einem Segelschiff entscheidet der Kapitän. Da geht es auch um Hierarchie. Für Menschen, die sich gewohnt sind, im Berufsleben zu entscheiden, ist diese Unterordnung vielleicht nicht einfach?
Ich habe noch nie erlebt, dass eine Entscheidung des Skippers in Frage gestellt wurde, denn alle wissen, «the captain’s word is law». Dieses Gesetz gilt auf jedem Schiff; der Skipper trägt die Verantwortung für das Schiff wie auch für seine Mannschaft. Gleichzeitig gilt dennoch das Motto, dass es zusammen besser geht. 

Damit sind wir beim Stichwort der Kameradchaft. Was ist beim IYFR Schweiz denn anders als in einem «normalen» Segelclub? 

Die rotarische Verbundenheit ist ein Plus, sie geht über nautische Freundschaften hinaus. Auf der gemeinsamen Wertebasis entstehen beim Segeln Freundschaften fürs Leben.  

International Yachting Fellowship of Rotarians IYFR Schweiz

«Es gibt keinen falschen Wind. Man muss nur die Segel richtig setzen». So lautet eine Seglerweisheit, die sich im Grunde gut auf das tägliche Leben anwenden lässt. «Passt perfekt», findet auch findet Philipp Kläy, der seit 2013 als passionierter Segler und Skipper jedes Jahr mehrere Wochen auf dem Meer verbringt. Der heute 53-jährige Basler stiess 2013 zu Rotary Schweiz Liechtenstein und gleichzeitig zur Schweizer Flotte des International Yachting Fellowship of Rotarians, kurz IYFR Schweiz. Seit Juli 2021 präsidiert er den Vorstand als «Commodore»; so lautet die nautische Bezeichnung für den Oberkommandierenden. Als solcher ist er für den reibungslosen Ablauf des Clublebens verantwortlich und organisiert auch die Segelreisen.

Die Schweizer Flotte wurde 2006 als Initiative von Mitgliedern aus verschiedenen Rotary Clubs gegründet und zählt 48 Mitglieder (Stand 2017). Die internationale Organisation besteht ihrerseits bereits seit 1947. Sie wurde vom Engländer John G. Barrett vom Brixton Rotary Club of London als erstes Fellowship überhaupt gegründet; er hatte sich zum Ziel gesetzt, das rotarische Symbol auf seiner Yacht zu hissen. Heute zählt der IYFR 126 Flotten in 44 Ländern und 3700 Mitglieder. Sowohl für die Seefahrer aus England als auch für die Mitglieder aus dem Binnenland Schweiz genügt eine «gute nautische Begeisterung» für eine Mitgliedschaft, wie Philipp Kläy sagt. Es muss also niemand ein eigenes Boot besitzen. Zwar haben einige Mitglieder eigene Boote auf Schweizer Seen, wo dann häufig auch die Frühlings- und die Herbstanlässe des IYFR Schweiz stattfinden. Für den jährlichen einwöchigen Segeltörn aber geht es aufs Meer, in die Ägäis, nach Sardinien, in die Türkei oder, wie letztes Jahr, nach Südfrankreich. Die rund 20 bis 30 Teilnehmer laden stets auch Delegationen aus den jeweiligen Ländern ein und knüpfen so internationale Kontakte. Dieses Jahr geht die Reise am 3. September 2022 nach Kroatien. Die vier Schiffe, ein Katamaran und drei Einrümpfer, sind bereits ausgebucht. Neue Kameraden sind derweil hoch willkommen: Der Commodore will nach der Corona-Zwangspause wieder aktiv Neumitglieder anwerben, insbesondere in seinem eigenen Distrikt 1980.


Rot. Philipp Kläy