Mehr als Lunches und Projekte
Clubmeetings, Projekte und Benefizanlässe prägen den rotarischen Alltag. Wir wissen meist ziemlich genau, was als Nächstes ansteht. Wie die Organisation dahinter funktioniert, fragen wir dagegen selten. Genau dort setzt «Rotary entschlüsselt» an – für alle, die Rotary neu entdecken, ihr Wissen auffrischen oder im Gespräch mit Interessenten einfach sattelfest sein wollen.
Das Clublokal ist bekannt, der nächste Anlass steht im
Kalender, und für das laufende Projekt ist längst geklärt, wer was übernimmt.
Rotary funktioniert im Alltag erstaunlich selbstverständlich. Gerade deshalb
beschäftigen wir uns selten mit der Frage, wie dieses grosse Gebilde hinter
unserem eigenen Club eigentlich aufgebaut ist.
Wer führt einen Rotary Club wirklich? Was darf ein Governor
entscheiden? Wozu braucht es Distrikte und Zonen? Wer bestimmt die Regeln, nach
denen Clubs arbeiten? Und wo endet eine liebgewonnene Clubtradition – und wo
beginnt eine verbindliche Rotary-Regel?
Solche Fragen tauchen immer wieder auf. Nicht nur bei
Menschen, die gerade erst zu Rotary gestossen sind. Auch wer seit vielen Jahren
dabei ist, Projekte auf die Beine gestellt und vielleicht schon mehrere
Clubämter übernommen hat, muss keineswegs jedes Detail der rotarischen
Architektur kennen. Um Rotary zu leben, reicht der eigene Club oft vollkommen
aus.
Interessant wird es, sobald der Blick über diesen Club
hinausgeht. Oder wenn ein Gast beim Lunch eine scheinbar einfache Frage stellt.
Muss man wirklich jede Woche erscheinen? Kann man sich bei Rotary bewerben? Wer
entscheidet über die Aufnahme? Und was genau macht eigentlich der Governor?
Spätestens dann zeigt sich, ob wir eine Antwort wirklich kennen – oder ob wir
eine Gewohnheit unseres eigenen Clubs versehentlich für eine weltweite Regel
halten.
Rotary-Wissen ist keine Anfängerfrage
Genau deshalb soll «Rotary entschlüsselt» kein Grundkurs für
Neumitglieder werden. Wer neu dabei ist, findet hier einen verständlichen
Einstieg, ohne sich zuerst durch Verfassungen, Satzungen und
Verfahrenshandbücher arbeiten zu müssen. Wer Rotary schon lange kennt, kann
Wissen auffrischen, Begriffe neu einordnen und vielleicht feststellen, dass
manche Regel heute anders oder flexibler aussieht als in der eigenen
Erinnerung.
Und dann gibt es noch eine dritte Perspektive: Rotary muss
erklärt werden können. Clubpräsidenten, Mitgliederverantwortliche und alle, die
mit Gästen oder Interessenten ins Gespräch kommen, sind glaubwürdiger, wenn sie
nicht nur erzählen können, was ihr Club tut, sondern auch wissen, wie Rotary
funktioniert. Gerade im Gespräch mit potenziellen Mitgliedern ist es hilfreich,
sauber unterscheiden zu können zwischen verbindlicher Vorgabe, empfohlener
Praxis und lokaler Tradition.
Denn Rotary ist beides: erstaunlich klar geregelt und
erstaunlich flexibel. Es gibt Verfassungen, Satzungen und festgelegte
Zuständigkeiten. Zugleich besitzen die Clubs beträchtlichen Spielraum, ihr
Clubleben so zu gestalten, dass es zu ihren Mitgliedern und ihrem Umfeld passt.
Dieses Nebeneinander gehört zu den Stärken der Organisation – und ist zugleich
eine der Quellen für rotarisches Halbwissen.
Was steckt dahinter?
In den kommenden Ausgaben greifen wir deshalb Fragen auf,
die uns im Rotary-Alltag immer wieder begegnen. Wir beginnen dort, wo Rotary
für die meisten von uns stattfindet: im eigenen Club. Von dort führt der Weg
weiter zu Distrikt und Governor, zu Zonen und Directors, zu Rotary
International, zur Rotary Foundation und überall dorthin, wo es noch etwas zu
entschlüsseln gibt.
Dabei soll aus dem Magazin kein Verfahrenshandbuch in
Fortsetzungen werden. Wir wollen Zusammenhänge verständlich machen, Begriffe
entwirren und Regeln so erklären, dass man sie sich merken kann. Am besten mit
jenem kleinen Moment beim Lesen, in dem man denkt: Ach, so funktioniert das!
Für manche wird vieles neu sein. Andere werden Bekanntes
wiederentdecken. Und wieder andere haben beim nächsten Gespräch über Rotary
schlicht die bessere Antwort parat.
Wenn Sie danach nicht nur wissen, wann Ihr nächster Lunch stattfindet,
sondern auch, wie Ihr Governor heisst, haben wir jedenfalls schon einiges
erreicht.
| Hand aufs Herz: Wissen Sie, wie Ihr Governor
heisst? Was ein RI Director macht? Oder wer bei Rotary eigentlich wem etwas zu
sagen hat? Falls nicht: Willkommen im Club. In unserer neuen Serie räumen wir
mit rotarischem Halbwissen auf – kurz, verständlich und ohne Handbuchton. In
der ersten Folge klären wir die Frage: Wer hat in einem Rotary Club eigentlich
das Sagen? |