Damit die Hilfe ankommt

Wednesday, July 8, 2026

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Bei Katastrophen ist die Hilfsbereitschaft gross. Doch was passiert danach? Die «Rotary Stiftung Schweiz», wie sie landläufig genannt wird, sorgt dafür, dass Spenden gezielt eingesetzt werden – und ihre Wirkung entfalten.

Nach einem Ereignis ist vieles schnell: Hilfe wird angeboten, Spenden zugesagt, erste Massnahmen laufen an. Schwieriger wird es danach. Mittel müssen zugeordnet, Gesuche geprüft und Entscheidungen getroffen werden – oft unter Zeitdruck und mit begrenzten Informationen.

Diese zweite Phase ist weniger sichtbar, aber entscheidend. Denn hier zeigt sich, ob aus Engagement nachhaltige Hilfe wird – oder ob Mittel versanden und Projekte ins Leere laufen.

Genau an dieser Stelle setzt die Stiftung der drei rotarischen Distrikte in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein an. Sie bündelt Spenden aus der Schweiz und Liechtenstein, koordiniert deren Einsatz und sorgt dafür, dass Mittel zweckgebunden und nachvollziehbar eingesetzt werden.

«Viele wissen, dass es die Stiftung gibt. Aber was sie konkret macht, ist oft nicht klar», sagt PDG Hanspeter Pfister, Präsident der Stiftung. «Unsere Aufgabe ist es, Ordnung in eine Situation zu bringen, die naturgemäss unübersichtlich ist.»

Entstehung und Funktion

Die Stiftung wurde im Juli 2017 als «Rotary D 1980 Wohltätigkeitsstiftung Schweiz» im Auftrag des Governorrats Schweiz-Liechtenstein gegründet. Die Stiftungsurkunde erarbeitete PRID Urs Klemm gemeinsam mit PDG Urs Herzog, Peter Schnell und Bruno Ferrari, dem ehemaligen Leiter der Schweizerischen Stiftungsaufsicht. Das Stiftungskapital spendete PDG Erwin Hort. Für Urs Klemm war das eine entscheidende Entlastung: «Ich war damals froh, dass ich das Geld nicht anderweitig zusammenbetteln musste.»

Dass die Stiftung zunächst den Distrikt 1980 im Namen trug, war keine inhaltliche Begrenzung, sondern eine formale Vorgabe von Rotary International: Die Organisation musste ursprünglich mit einem Distrikt verbunden sein. Inzwischen konnte diese Grundlage angepasst werden. Heute wird statt eines einzelnen Distrikts die Zone 16B aufgeführt; damit tritt die Stiftung als «Stiftung der Rotary Distrikte Schweiz-Liechtenstein, Zone 16B» mit gesamtschweizerischem Anspruch auf.

Ein wesentlicher Punkt war von Beginn an die steuerliche Anerkennung. Spenden an internationale Organisationen sind in der Schweiz steuerlich nicht ohne Weiteres abzugsfähig. Eine national beaufsichtigte Stiftung schafft hier Klarheit – und senkt die Schwelle für Beiträge.

In der Anfangsphase wirkten die Distrikte 1990 und 2000 aktiv mit. Als die Frage der Finanzierung des administrativen Aufwands konkret wurde, kam es jedoch zu Differenzen, die zum Austritt der beiden Distrikte führten. Inzwischen ist der Distrikt 1990 wieder eingebunden.

Der jährliche Aufwand bewegte sich dabei in einer Grössenordnung von rund 14000 bis 18000 Franken – für Geschäftsstelle, Revision, Eidg. Stiftungsaufsicht und technische Verwaltung. «Ganz ohne Struktur funktioniert es nicht», sagt Pfister. «Aber wir halten den Aufwand bewusst tief.»

In ihrer Funktion ist die Stiftung klar positioniert: Sie nimmt Spenden entgegen, prüft Gesuche und stellt sicher, dass Mittel zu einhundert Prozent zweckgebunden eingesetzt werden. Damit ergänzt sie sowohl clubeigene Initiativen als auch die internationale Rotary Foundation, deren Spendenbestätigungen in der Schweiz steuerlich nicht anerkannt sind.

Wie Entscheidungen zustande kommen

Die Arbeit der Stiftung zeigt sich weniger in öffentlichen Auftritten als in konkreten Abläufen. Seit der Katastrophe in Crans-Montana treffen sich – mit wenigen Ausnahmen – jeden Sonntag um 17 Uhr die drei amtierenden Governors mit Yves Duc (Präsident des RC Crans-Montana), PDG Hanspeter Pfister sowie der Kommunikationsverantwortlichen von Rotary Schweiz/Liechtenstein.

In diesen Sitzungen werden die eingegangenen Gesuche einzeln geprüft. Bedarf, Herkunft und Umsetzbarkeit werden abgewogen, bevor eine Entscheidung fällt.

«Wir schauen jedes Gesuch genau an», sagt Pfister. «Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu verteilen, sondern darum, es sinnvoll einzusetzen.»

Die Kriterien sind klar: Nachvollziehbarkeit, Verlässlichkeit der Partner und ein realistischer Nutzen. In vielen Fällen sind Rotarier vor Ort eingebunden, was die Einschätzung erleichtert. «Wir springen dann ein, wenn der Staat oder andere Institutionen nicht oder nicht schnell genug zahlen», präzisiert PDG Hanspeter Pfister.

Nach der Bewilligung werden die Mittel überwiesen. Gleichzeitig wird eine Rückmeldung über deren Verwendung erwartet. Unterstützung und Kontrolle gehören zusammen.

Dieses Vorgehen hat sich bewährt – auch bei jüngeren Ereignissen in der Schweiz. Nach dem Bergsturz von Blatten sowie den Unwettern im Tessin, im Misox und im Rhonetal konnten Mittel gezielt eingesetzt werden. Die Stiftung selbst trat dabei kaum öffentlich in Erscheinung, übernahm aber die Koordination der finanziellen Unterstützung. 

Die Arbeit bewegt sich dabei stets im Spannungsfeld zwischen Tempo und Sorgfalt. Hilfe soll rasch erfolgen, gleichzeitig aber nachvollziehbar bleiben.

Ein oft unterschätzter Faktor ist die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden. Beiträge an die Rotary Stiftung Schweiz sind in allen Kantonen steuerlich abzugsfähig. Gerade auch grössere private Spenden lassen sich über die Stiftung gezielt in Projekte innerhalb der rotarischen Gemeinschaft einbringen – zweckgebunden, nachvollziehbar und mit entsprechender Spendenbestätigung. Wer sich als Major Donor engagieren möchte, findet hier ein wirkungsvolles und gut verankertes Gefäss. «Das erleichtert vielen die Entscheidung, zu spenden», sagt Pfister. «Und es erhöht die Möglichkeiten, Projekte zu finanzieren. Seit Gründung der Stiftung vor acht Jahren konnten 10,5 Millionen an Spenden gesammelt und vollumfänglich ihrem Zweck zugeführt werden.»

Die Stiftung untersteht der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Die Mitglieder des Stiftungsrats arbeiten ehrenamtlich, die administrativen Kosten bleiben entsprechend gering.

Am Ende bleibt eine einfache Funktion: Die Stiftung sorgt dafür, dass Hilfe organisiert wird und dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Oder, wie es Pfister formuliert: «Spenden allein genügen nicht. Es braucht auch eine Struktur, die daraus konkrete, nachhaltige Unterstützung macht.»

Rotary Stiftung: PDG Hanspeter Pfister

Kurz erklärt: die Rotary Stiftung Schweiz

  • Gründung: 2017 als «Rotary D 1980 Wohltätigkeitsstiftung Schweiz»; heute «Stiftung der Rotary Distrikte Schweiz-Liechtenstein, Zone 16B»
  • Zweck: Bündelung und gezielte Verwendung von Spenden aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein im rotarischen Sinn
  • Funktion: Prüfung von Gesuchen, Vergabe von Mitteln, Sicherstellung der zweckgebundenen Verwendung, Dokumentation
  • Besonderheit: Spenden sind in allen Kantonen steuerlich abzugsfähig
  • Organisation: Stiftungsrat arbeitet ehrenamtlich, Aufsicht durch die Eidgenössische Stiftungsaufsicht
  • Volumen: 1,6 Mio. CHF Spenden im rotarischen Jahr 2024/25
  • Einsatzgebiete: nationale und internationale Hilfsprojekte, u. a. bei Naturereignissen in der Schweiz oder zugunsten ausgewählter Programme der Rotary Foundation