Bei Katastrophen ist die Hilfsbereitschaft gross. Doch was passiert
danach? Die «Rotary Stiftung Schweiz», wie sie landläufig
genannt wird, sorgt dafür, dass Spenden gezielt eingesetzt werden – und
ihre Wirkung entfalten.
Nach einem Ereignis ist
vieles schnell: Hilfe wird angeboten, Spenden zugesagt, erste Massnahmen laufen
an. Schwieriger wird es danach. Mittel müssen zugeordnet, Gesuche geprüft und
Entscheidungen getroffen werden – oft unter Zeitdruck und mit begrenzten
Informationen.
Diese zweite Phase ist
weniger sichtbar, aber entscheidend. Denn hier zeigt sich, ob aus Engagement nachhaltige
Hilfe wird – oder ob Mittel versanden und Projekte ins Leere laufen.
Genau an dieser Stelle
setzt die Stiftung der drei rotarischen Distrikte in der Schweiz und im
Fürstentum Liechtenstein an. Sie bündelt Spenden aus der Schweiz und
Liechtenstein, koordiniert deren Einsatz und sorgt dafür, dass Mittel
zweckgebunden und nachvollziehbar eingesetzt werden.
«Viele wissen, dass es die
Stiftung gibt. Aber was sie konkret macht, ist oft nicht klar», sagt PDG
Hanspeter Pfister, Präsident der Stiftung. «Unsere Aufgabe ist es, Ordnung in
eine Situation zu bringen, die naturgemäss unübersichtlich ist.»
Entstehung und Funktion
Die Stiftung wurde im Juli 2017 als
«Rotary D 1980 Wohltätigkeitsstiftung Schweiz» im Auftrag des Governorrats
Schweiz-Liechtenstein gegründet. Die Stiftungsurkunde erarbeitete PRID Urs
Klemm gemeinsam mit PDG Urs Herzog, Peter Schnell und Bruno Ferrari, dem
ehemaligen Leiter der Schweizerischen Stiftungsaufsicht. Das Stiftungskapital
spendete PDG Erwin Hort. Für Urs
Klemm war das eine entscheidende Entlastung: «Ich war damals froh, dass ich das
Geld nicht anderweitig zusammenbetteln musste.»
Dass die Stiftung zunächst den Distrikt
1980 im Namen trug, war keine inhaltliche Begrenzung, sondern eine formale
Vorgabe von Rotary International: Die Organisation musste ursprünglich mit
einem Distrikt verbunden sein. Inzwischen konnte diese Grundlage angepasst
werden. Heute wird statt eines einzelnen Distrikts die Zone 16B aufgeführt;
damit tritt die Stiftung als «Stiftung der Rotary Distrikte
Schweiz-Liechtenstein, Zone 16B» mit gesamtschweizerischem Anspruch auf.
Ein wesentlicher Punkt war von Beginn an
die steuerliche Anerkennung. Spenden an internationale Organisationen sind in
der Schweiz steuerlich nicht ohne Weiteres abzugsfähig. Eine national
beaufsichtigte Stiftung schafft hier Klarheit – und senkt die Schwelle für
Beiträge.
In der Anfangsphase wirkten die Distrikte
1990 und 2000 aktiv mit. Als die Frage der Finanzierung des administrativen
Aufwands konkret wurde, kam es jedoch zu Differenzen, die zum Austritt der
beiden Distrikte führten. Inzwischen ist der Distrikt 1990 wieder eingebunden.
Der jährliche Aufwand bewegte sich dabei
in einer Grössenordnung von rund 14000 bis 18000 Franken – für Geschäftsstelle,
Revision, Eidg. Stiftungsaufsicht und technische Verwaltung. «Ganz ohne
Struktur funktioniert es nicht», sagt Pfister. «Aber wir halten den Aufwand
bewusst tief.»
In ihrer Funktion ist die Stiftung klar
positioniert: Sie nimmt Spenden entgegen, prüft Gesuche und stellt sicher, dass
Mittel zu einhundert Prozent zweckgebunden eingesetzt werden. Damit ergänzt sie
sowohl clubeigene Initiativen als auch die internationale Rotary Foundation,
deren Spendenbestätigungen in der Schweiz steuerlich nicht anerkannt sind.
Wie Entscheidungen zustande kommen
Die Arbeit der Stiftung
zeigt sich weniger in öffentlichen Auftritten als in konkreten Abläufen. Seit
der Katastrophe in Crans-Montana treffen sich – mit wenigen Ausnahmen – jeden
Sonntag um 17 Uhr die drei amtierenden Governors mit Yves Duc (Präsident des RC
Crans-Montana), PDG Hanspeter Pfister sowie der Kommunikationsverantwortlichen
von Rotary Schweiz/Liechtenstein.
In diesen Sitzungen werden
die eingegangenen Gesuche einzeln geprüft. Bedarf, Herkunft und Umsetzbarkeit
werden abgewogen, bevor eine Entscheidung fällt.
«Wir schauen jedes Gesuch
genau an», sagt Pfister. «Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu
verteilen, sondern darum, es sinnvoll einzusetzen.»
Die Kriterien sind klar:
Nachvollziehbarkeit, Verlässlichkeit der Partner und ein realistischer Nutzen.
In vielen Fällen sind Rotarier vor Ort eingebunden, was die Einschätzung
erleichtert. «Wir springen dann ein, wenn der Staat oder andere Institutionen
nicht oder nicht schnell genug zahlen», präzisiert PDG Hanspeter Pfister.
Nach der Bewilligung
werden die Mittel überwiesen. Gleichzeitig wird eine Rückmeldung über deren
Verwendung erwartet. Unterstützung und Kontrolle gehören zusammen.
Dieses Vorgehen hat sich
bewährt – auch bei jüngeren Ereignissen in der Schweiz. Nach dem Bergsturz von
Blatten sowie den Unwettern im Tessin, im Misox und im Rhonetal konnten Mittel
gezielt eingesetzt werden. Die Stiftung selbst trat dabei kaum öffentlich in
Erscheinung, übernahm aber die Koordination der finanziellen Unterstützung.
Die Arbeit bewegt sich
dabei stets im Spannungsfeld zwischen Tempo und Sorgfalt. Hilfe soll rasch
erfolgen, gleichzeitig aber nachvollziehbar bleiben.
Ein oft unterschätzter
Faktor ist die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden. Beiträge an die Rotary
Stiftung Schweiz sind in allen Kantonen steuerlich abzugsfähig. Gerade auch
grössere private Spenden lassen sich über die Stiftung gezielt in Projekte
innerhalb der rotarischen Gemeinschaft einbringen – zweckgebunden,
nachvollziehbar und mit entsprechender Spendenbestätigung. Wer sich als Major
Donor engagieren möchte, findet hier ein wirkungsvolles und gut verankertes
Gefäss. «Das erleichtert vielen die Entscheidung, zu spenden», sagt Pfister. «Und
es erhöht die Möglichkeiten, Projekte zu finanzieren. Seit Gründung der
Stiftung vor acht Jahren konnten 10,5 Millionen an Spenden gesammelt und vollumfänglich
ihrem Zweck zugeführt werden.»
Die Stiftung untersteht
der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht. Die Mitglieder des Stiftungsrats
arbeiten ehrenamtlich, die administrativen Kosten bleiben entsprechend gering.
Am Ende bleibt eine
einfache Funktion: Die Stiftung sorgt dafür, dass Hilfe organisiert wird und dort
ankommt, wo sie gebraucht wird.
Oder, wie es Pfister
formuliert: «Spenden allein genügen nicht. Es braucht auch eine Struktur, die
daraus konkrete, nachhaltige Unterstützung macht.»