Reichweite zum Anfassen

Monday, June 1, 2026

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Vor einhundert Jahren flatterte den Schweizer Rotariern erstmals ein eigenes Magazin ins Haus. Auch heute noch hält man bewusst an der Printausgabe fest. Weil sie gelesen wird, weil sie Reichweite schafft und auch wirtschaftlich Sinn macht. Die Frage lautet daher nicht: Print oder digital? Sondern: Welcher Kanal für welchen Zweck?

Ein gedrucktes Magazin steht heute unter freundlich-kritischer Beobachtung. Es kostet Geld, braucht Papier, wird gestaltet, gedruckt, verpackt, transportiert und zugestellt. Es dümpelt auf dem Schreibtisch dahin, während auf dem Smartphone schon wieder zehn neue Meldungen hereingerauscht sind. Man darf also fragen: Muss das noch sein?

Bei Rotary Suisse Liechtenstein lautet die Antwort derzeit entschieden: ja. Nicht aus Sentimentalität. Nicht, weil früher angeblich alles besser war. Und auch nicht, weil Papier so schön raschelt, wenn man es umschlägt (obwohl es das natürlich tut). Sondern weil das gedruckte Magazin bei den Mitgliedern weiterhin ankommt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Das hat auch mit Geschichte zu tun. Am 1. Januar 1926 erschien die erste Ausgabe von Der Schweizer Rotarier / Le Rotarien Suisse. Schon damals verstand sich das Heft als offizielles Organ der Schweizer Rotary Clubs. Hundert Jahre später sieht fast alles anders aus: Layout, Drucktechnik, Sprache, Themen, Tempo, Lesegewohnheiten, digitale Möglichkeiten. Geblieben ist die Grundidee, dass Rotary ein Medium braucht, das verbindet, informiert und ein gemeinsames Selbstverständnis schafft.

Dass Papier dabei weiterhin eine Rolle spielt, zeigen die Leserumfragen. Sie werden von Rotary International durchgeführt und liefern der Redaktion einen unabhängigen Blick auf Nutzung, Erwartungen und Kritik der Leser. In der letzten Erhebung gaben 91 Prozent der befragten Leser von Rotary Suisse Liechtenstein an, das Magazin in gedruckter Form zu nutzen; weitere 6 Prozent lesen es sowohl gedruckt als auch digital; nur 2 Prozent nutzen es ausschliesslich online. 71 Prozent lesen regelmässig zumindest einige Artikel, 10 Prozent sogar jede Ausgabe von vorne bis hinten.

Auch die Lesezeit spricht gegen die Annahme, das Heft werde nur kurz durchgeblättert und dann dem Altpapier überantwortet. 34 Prozent verbringen mit einer Ausgabe durchschnittlich 11 bis 20 Minuten, 25 Prozent 21 bis 30 Minuten, 16 Prozent sogar 31 bis 60 Minuten. In einer Medienwelt, in der Aufmerksamkeit zur knappen Währung geworden ist, sind solche Zahlen alles andere als nebensächlich.

Papier hat dabei eine Stärke, die sich digital nicht in Gänze nachbauen lässt. Ein gedrucktes Heft drängt sich nicht auf. Es blinkt nicht, piepst nicht, sortiert keine Leserprofile und verschwindet nicht im nächsten Aktualisierungsschub. Es liegt da. Auf dem Tisch, im Büro, im Club, zuhause neben der Post. Man kann es weiterreichen, aufheben, später lesen, mitnehmen, vergessen und wiederfinden. Keine Zauberei. Aber ziemlich wirksam.

Natürlich heisst das nicht, dass Print unantastbar wäre. Papier ist kein Freipass. Ein gedrucktes Magazin muss sich heute rechtfertigen können: ökologisch, finanziell, publizistisch. Die letzte Leserumfrage zeigte denn auch kritische Stimmen. Einige Leser wünschen sich mehr digitale Möglichkeiten, bessere sprachliche Zugänglichkeit, kürzere Formate, leichteres Papier oder nachhaltigere Lösungen bei Produktion und Versand. Diese Rückmeldungen sind wichtig. Sie zeigen, dass das Magazin nicht bloss zugestellt, sondern wahrgenommen wird.

Gerade deshalb greift die scheinbar einfache Rechnung zu kurz: kein Print, keine Druck- und Versandkosten, also tiefere Kosten. Ein Magazin ist nicht nur ein Stapel Papier. Es ist ein publizistisches und wirtschaftliches System. Die gedruckte Auflage schafft Reichweite und Sichtbarkeit. Sie macht das Magazin für Anzeigenkunden attraktiv und trägt damit zur Finanzierung bei. Würde die Auflage sinken, geriete dieses Modell unter Druck – mit Folgen für Anzeigenwert, Preise und Gesamtfinanzierung.

Hinzu kommt: Ein digitales Angebot, das mehr sein soll als ein abgelegtes PDF, entsteht nicht nebenbei. Es braucht technische Infrastruktur, redaktionelle Planung, Gestaltung, Bildbearbeitung, Suchfunktionen, Mehrsprachigkeit, Verbreitung, Pflege und laufende Weiterentwicklung. Digital ist nicht automatisch günstiger. Es ist nur anders aufwendig.

Die eigentliche Frage lautet also nicht: Print oder digital? Sondern: Welcher Kanal erfüllt welche Aufgabe?

Das gedruckte Magazin eignet sich für Überblick, Einordnung, längere Geschichten und Identifikation. Digitale Kanäle sind stark, wenn es um Aktualität, Suche, Verlinkung, Mehrsprachigkeit, Bewegtbild, schnelle Information und Dialog geht. Das eine ersetzt das andere nicht automatisch. Im besten Fall ergänzen sich beide.

Für Rotary Suisse Liechtenstein bedeutet das: Das Magazin bleibt bis auf Weiteres gedruckt. Aber es bleibt nicht stehen; Papier verpflichtet. Wer ein Heft in die Briefkästen schickt, muss sorgfältig auswählen, sauber erzählen und Inhalte so aufbereiten, dass sie ihre Leser erreichen. Der Platz ist begrenzt. Gerade das zwingt zur Konzentration.

Dass das Magazin diese Aufgabe erfüllt, zeigen weitere Ergebnisse der Leserumfrage. 91 Prozent der Befragten halten die Erscheinungsfrequenz für angemessen. Für 84 Prozent stärkt oder bestätigt das Magazin die persönliche Verbindung zu Rotary; rund 90 Prozent sehen darin eine Hilfe, um die globale Organisation besser zu verstehen.

Das ist das stärkste Argument für die gedruckte Ausgabe: Sie wirkt. Nicht perfekt, nicht für alle gleich, nicht als endgültige Antwort auf alle Kommunikationsfragen. Aber deutlich genug, um sie nicht leichtfertig aufzugeben.

Hundert Jahre nach der ersten Ausgabe steht das Rotary Magazin damit an einem interessanten Punkt. Es hat Geschichte, aber es darf sich nicht auf ihr ausruhen. Es ist Mitgliederinformation, Chronik, Bühne für Projekte, Fenster in die grosse rotarische Welt – und ein Medium, das sich weiterentwickeln muss, ohne seinen Kern zu verlieren.

Die Zukunft des Magazins liegt daher nicht darin, Papier gegen Bildschirm auszutauschen. Sie liegt darin, beides klüger zu verbinden: das Heft auf dem Tisch, die Information online, die Geschichte im Kopf. Papier allein ist keine Zukunftsstrategie. Digital allein ebenso wenig. Entscheidend ist, ob Kommunikation wirkt. Unser Magazin bleibt also auf Papier. Nicht aus Starrsinn, sondern aus Vernunft. Es wird gelesen, es trägt zur Finanzierung bei, es schafft Sichtbarkeit – und es kann sich weiterentwickeln, ohne sich gleich selbst abzuschaffen.

Weltweit verbunden

Die Rotary-Regionalmagazine sind Teil eines internationalen Netzwerks. Alle zwei Jahre treffen sich ihre Chefredakteure im One Rotary Center in Evanston; in den Jahren dazwischen findet der Austausch in kleineren Gruppen statt – für Rotary Suisse Liechtenstein meist im europäischen Kreis.

Für 2026 lud RI-Präsident Francesco Arezzo die Magazinverantwortlichen am 24. und 25. März nach Evanst heon ein. Das Programm zeigte, wie breit die Aufgabe der Regionalmagazineute verstanden wird: Es ging um journalistische Qualität, digitale Werkzeuge, Webanalyse, Gestaltung, Markenführung, Podcasting und Mitgliederbindung. Auch der Blick über Rotary hinaus gehörte dazu: Zu den Gästen zählte Tina Rosenberg, Mitgründerin des Solutions Journalism Network, langjährige Autorin der New York Times und Pulitzerpreisgewinnerin.

Dabei wurde deutlich: Die Regionalmagazine sind keine nostalgischen Papierprodukte, sondern Teil einer modernen rotarischen Kommunikation. Sie informieren, ordnen ein und verbinden Rotary über Regionen, Sprachen und Kanäle hinweg.

Die Frage lautet nicht: Print oder digital? Sondern: Welcher Kanal für welchen Zweck?