Das Tapetenmuseum im Schloss von Mézières beherbergt Wanddekore aus dem 18. Jahrhundert, die zu den seltensten in Europa zählen. Seine begeisterte Leiterin Laurence Ansermet, Rotarierin im RC Romont, macht es zu einem lebendigen und faszinierenden Ort.
Als Laurence Ansermet einer Freundin erzählte, dass sie sich als Leiterin des Tapetenmuseums beworben hatte, entgegnete diese leicht verblüfft: «Hast du nichts Langweiligeres gefunden?»
Laurence muss lachen, als sie diese Anekdote im Interview für das Magazin von Rotary Schweiz-Liechtenstein erzählt. Sie versteht die Reaktion ihrer Freundin übrigens gut. Papiertapeten scheinen auf den ersten Blick nicht besonders spannend zu sein. Doch nachdem man in ihrer Begleitung die zahlreichen Räume dieses einzigartigen Museums durchstreift hat, wird klar: Laurences Arbeit ist absolut nicht langweilig. Zehn Jahre nach ihrem Antritt ist die Museumsleiterin immer noch voller Begeisterung für diesen Ort, der vom Schweizer Heimatschutz zu einem der fünfzig schönsten Museen für Geschichte und Kulturgut der Schweiz gekürt wurde.
Man muss dazu sagen, dass dieses Museum im Schloss Mézières als einer der weltweit seltensten Orte gilt, die der Geschichte der Tapete gewidmet sind. Es steht an idyllischer Lage, nur wenige Kilometer entfernt von Romont, dem Hauptort des Bezirks Glâne. Laurence erzählt begeistert: «Es gibt weltweit nur fünf Häuser, in denen Tapetenensembles in situ, also direkt an ihren ursprünglichen Wänden, erhalten sind.» So sind die Arabesken in leuchtenden Farben, die man in der «Chambre de Madame» bewundern kann, original und haben die Jahrhunderte fast unversehrt überstanden, wie übrigens die meisten Tapeten des Schlosses.
Das Gebäude und seine Innenausstattung erforderten jedoch eine aufwendige Restaurierung, die sich über fast zehn Jahre erstreckte. Laurence spricht von einer gigantischen Arbeit. Dank der Unterstützung des Kantons Freiburg, der Eidgenossenschaft, mehrerer Stiftungen und weiterer Spender konnte das Tapetenmuseum 2007 seine Türen öffnen.
Denn das Gebäude wäre beinahe verschwunden. Nachdem das Schloss zwischen 1977 und 1994 dem Verfall preisgegeben war, war es nur noch eine Ruine: Wasserschäden, Schimmel und Jugendliche, die den historischen Wert des Ortes nicht kannten und Tapetenstücke abgerissen hatten, hatten ihren Teil dazu beigetragen. Dem Gebäude drohte sogar der Abriss, nachdem seine letzte Besitzerin, die davon träumte, dort ein Hotel zu eröffnen, krank geworden war.
Doch wie sind diese Papiertapeten nach Mézières gekommen? Das elegante Gebäude im spätbarocken Stil wurde von der Adelsfamilie de Diesbach erworben und umgebaut. Zwischen 1780 und 1830 liessen die Besitzer mehrere Räume mit modischen Papiertapeten ausstatten, die aus England stammten und in europäischen Adelskreisen, insbesondere in Paris, sehr begehrt waren. De Diesbachs Vater stand im Dienst des Königs von Preussen, während sein Sohn am Hofe des Königs von Frankreich engagiert war. So wurden die Wanddekore aus Paris importiert, insbesondere über die berühmte Manufaktur Réveillon.
Raum für Raum enthüllt Laurence diese faszinierenden wandfüllenden Werke: mal sind es winzige, mit ornamentaler Präzision wiederholte Motive, mal imposante Panoramen, die Landschaften oder Geschichten erzählen. Im brasilianischen Salon beispielsweise stellt eine Szene die Ankunft der Europäer in Brasilien dar – natürlich aus der Sicht der Kolonisten.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, diese Panoramabilder seien direkt auf die Wände gemalt. In Wirklichkeit handelt es sich um monumentale Drucke: Für den brasilianischen Salon wurden nicht weniger als 1693 Druckplatten verwendet.
Im Boudoir finden sich Motive aus Wollstaub, während die einfarbige grüne Tapete – damals sehr selten – ein echtes Zeichen von Reichtum darstellt. Im Zimmer der
«Indiennes»
sind Vögel und Motive von bedruckten Stoffen aus Indien inspiriert.
Ein Museum, das Geschichte atmet
Laurence erweckt jeden Raum durch ihre Ausführungen und Anekdoten zum Leben. Vor einer Tapete, die einen Vorhang im
«Trompe-l’œil-Stil»
imitiert, weist sie auf einen kleinen Fehler hin, der damals passiert ist: Ein Teil des Musters wurde an der falschen Stelle angebracht. Dieses Detail amüsiert sie sehr, denn es trägt zur Authentizität des Ortes bei, die sie besonders schätzt:
«Das Schloss wirkt keineswegs zu glatt, es strahlt Geschichte aus. Museen haben oft ein elitäres Image, aber hier ist das wirklich nicht der Fall.»
Die Tatsache, dass das Museum so nah am Publikum ist, ist zu einem grossen Teil Laurences Verdienst. Die ausgebildete Ökonomin arbeitete im Marketing eines grossen Unternehmens und interessierte sich schon immer für das Eventmanagement. Zwanzig Jahre lang spielte sie zudem Theater und leitete zehn Jahre lang eine Laientheatergruppe. Derzeit leitet sie einen Veranstaltungssaal in Romont. An Ideen mangelt es ihr also nicht. So organisiert das Museum neben seiner Dauerausstellung zwei Wechselausstellungen pro Jahr, Konzerte, Workshops und verschiedene kulturelle Veranstaltungen – darunter das Passionvinyl Festival Mitte Juni.
Doch Laurence’ Verbundenheit mit diesem Ort hat auch eine persönliche Seite. Tatsächlich wuchs ihre Mutter im Schloss von Mézières auf. Laurence dämpft jedoch jede romantische Vorstellung: Damals war das Leben im Schloss keineswegs das einer Prinzessin. Ihre Grosseltern, die Landwirte waren, hatten das Anwesen wegen des Landes gekauft, nicht wegen des Gebäudes.
«Meine Mutter schlief mit ihrer Schwester in einem Zimmer, das einen Ofen hatte. Meine Onkel hingegen schliefen in anderen kleinen, ungeheizten Räumen und wachten in diesen schlecht isolierten Zimmern manchmal mit eiskalten Ohren auf», erzählt sie lächelnd.
Rotarischer Vater
Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Rotarier – oder besser gesagt eine Rotarierin – seinen bzw. ihren Klassifikationsvortrag in einem Museum hält, noch dazu in einem Schloss. Nachdem sie bereits bei der äusserst aktiven und sozial engagierten Jungen Wirtschaftskammer Mitglied war, erschien ihr das Engagement bei Rotary als Selbstverständlichkeit. Seit 2015 ist sie Mitglied des RC Romont, zu dessen Gründungsmitgliedern ihr Vater gehörte.
In diesem Rahmen stellte sie ihren Clubkameraden ihre Arbeit als Museumsleiterin vor. Zu dieser Aufgabe gehört nicht nur die Planung von Ausstellungen und die Leitung des Museums: Es gilt auch, Finanzmittel zu beschaffen, was für eine kleine Einrichtung abseits der grossen Touristenpfade nicht immer einfach ist.
Und doch berührt der Ort seine Besucher zutiefst. Das Leben seiner ehemaligen Bewohner ist in jedem Raum noch immer spürbar – bis hin zum kleinen Dienstbotenzimmer, dessen Wände mit Tapetenmustern tapeziert zu sein scheinen. Die Kammer hat übrigens die Musiker Marc Aymon und Aliose während eines Künstleraufenthalts zur Komposition des Liedes «Majordome» inspiriert; das Lied kann während des Museumsbesuchs mit dem Audioguide angehört werden.
Bei der Abreise aus Mézières überrascht man sich vielleicht dabei, die Melodie dieses Liedes zu pfeifen. Vor allem aber nimmt man die Erinnerung an diese prächtigen, seltenen Drucke mit: Ihre Motive, mal von geometrischer Strenge, mal von ornamentaler Fülle, bleiben faszinierend. Und man stellt nicht ohne eine gewisse Überraschung fest, dass die Tiefe und Leuchtkraft ihrer ursprünglichen Farben jene moderner Drucke noch übertreffen.
Handwerkliche Technik
Die Papiertapeten im Schloss Mézières wurden mit der Technik des Holzschnittdrucks hergestellt. Zunächst wird ein Motiv in einen Holzmodel geschnitzt, dann wird Farbe aufgetragen und auf die Bögen übertragen, die zu einer Papierrolle zusammengeklebt wurden. Für jede Farbe wird ein neuer Holzmodel verwendet. Zwischen den einzelnen Farbdurchgängen wird die Rolle zum Trocknen an die Decke gehängt. Ein grosses Dekor kann mehrere Dutzend oder sogar Hunderte verschiedener Model erfordern und verlangt höchste Präzision beim Ausrichten der Motive. Abgesehen vom Schloss Mézières gibt es nur wenige Orte, an denen die Tapeten noch erhalten sind: die Maison du Tilleul in Saint-Blaise bei Neuenburg, die Zimmer des Schlosses Moncley in der Nähe von Besançon in Frankreich, das Schloss auf der Pfaueninsel in Berlin, der Ostankino-Palast in Moskau und das Phelps-Hatheway-House in Suffield, Connecticut.