Ein Weg, der verbindet

Montag, 24. August 2026

Rot. Heinz Wiedmer/red

Mit Steinen, Tannenzapfen, Holz und viel Muskelkraft erneuerte der RC Oerlikon den Barfussweg im Gehörlosendorf Turbenthal. Unterstützung kam auch vom deutschen Freundschaftsclub Dinkelsbühl-Feuchtwangen.

Was braucht es für einen Barfussweg? Unterschiedliche Materialien, handwerkliches Geschick – und Menschen, die bereit sind, kräftig anzupacken. Vom 5. bis 7. Juni 2026 brachte der RC Oerlikon all dies nach Turbenthal. Unter dem Motto «Rotary in Aktion» rückten Mitglieder sowie ihre Partnerinnen und Partner zum diesjährigen Arbeitseinsatz im Gehörlosendorf an.

Ihr Auftrag war klar: Der beliebte Barfussweg, der Bewohner ebenso wie Gäste aus der Region zum Ertasten, Balancieren und Ausprobieren einlädt, musste von Grund auf erneuert werden.

Am Samstagmorgen wurde aus dem Wochenendausflug ein Arbeitseinsatz. Alte Elemente wurden abgetragen, neue Abschnitte angelegt und sorgfältig mit Steinen, Holz und Tannenzapfen befüllt. Während draussen der Weg Gestalt annahm, gingen in der Schreinerei die Holzarbeiten voran. Es wurde getragen, geräumt, gebaut und immer wieder geprüft, ob das Ergebnis auch unter blossen Füssen überzeugte.

Unterstützung erhielt der RC Oerlikon von einer Delegation seines deutschen Freundschaftsclubs Dinkelsbühl-Feuchtwangen. Die Gäste waren nicht allein für das gesellige Wochenende angereist: Sie packten tatkräftig mit an und unterstützten das Projekt darüber hinaus mit einer grosszügigen Geldspende.

Für die nötige Verständigung sorgte eine kurze Einführung in die Gebärdensprache, die bereits am Vorabend stattgefunden hatte. Was zunächst noch etwas ungewohnt wirkte, kam beim gemeinsamen Arbeiten bald rege zum Einsatz. Die neu erlernten Zeichen öffneten eine zusätzliche Tür zu den Menschen im Gehörlosendorf.

Auch die Führungen durch das Dorf erweiterten den Blick. Sie vermittelten Einblicke in den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner und in die Arbeit der Stiftung Schloss Turbenthal. Begegnungen ergaben sich bei der Arbeit, beim gemeinsamen Mittagessen, im Dorfladen oder während eines Spaziergangs. Auf diese Weise wurde aus dem Bauprojekt ein gemeinsames Erlebnis.

Der erneuerte Barfussweg ist Trainingsgerät, Sinneserfahrung und Treffpunkt zugleich. Unterschiedliche Untergründe fördern Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Koordination. Vor allem aber lädt der Weg Menschen aus dem Dorf und aus der Umgebung dazu ein, miteinander in Kontakt zu kommen.

Marc Basler von der Stiftung Schloss Turbenthal begegnet dem Ergebnis seither täglich: «Ich fahre jeden Morgen zum Gehörlosendorf und sehe voller Stolz, was wir da gemeinsam geschaffen haben. Einfach nur grossartig!»

Das Arbeiten nahm den wichtigsten Platz ein, doch auch das Clubleben kam nicht zu kurz. Zum Auftakt besichtigte die Gruppe die traditionsreiche Firma Kuhn Rikon und erhielt Einblick in deren Produktion. Nach dem Zimmerbezug im Kloster Fischingen führte der Weg am Abend in den historischen Gasthof Gyrenbad. Im Feuerkeller boten Apéro und Abendessen Gelegenheit, sich kennenzulernen und auf den bevorstehenden Einsatz einzustimmen.

Am Sonntag wechselte der Schauplatz nochmals. Eine Führung durch das Kloster Fischingen und ein gemeinsamer Apéro beschlossen das Wochenende. Mit nach Hause nahmen die Teilnehmenden die Erinnerung an einen intensiven Einsatz – und das sichtbare Ergebnis ihrer Arbeit.

Beim einmaligen Projekt soll es nicht bleiben. Der RC Oerlikon und die Stiftung Schloss Turbenthal wollen ihre Zusammenarbeit in den kommenden Jahren fortsetzen. Erste Ideen liegen bereits auf dem Tisch. Der neu angelegte Barfussweg könnte damit der Anfang eines längeren gemeinsamen Weges sein.

Mit Herz und Freude im Einsatz: Mitglieder des RC Oerlikon und des Freundschaftsclubs Dinkelsbühl-Feuchtwangen (Foto: zvg)