Allein ist man stark; gemeinsam ist man stärker. Dieses Motto hat im Jahr 2025 alle Rotary Clubs des Kantons Wallis dazu inspiriert, ihre Kräfte für ein gemeinsames Anliegen zu bündeln: den Kampf gegen Mobbing unter Jugendlichen. Seit über einem Jahr entfaltet dieses schöne Beispiel für den Gemeindienst seine konkrete Wirkung in den Walliser Gemeinden.
Obwohl sich der Kanton Wallis aktiv für die Prävention von Mobbing einsetzt, sind seine Handlungsmöglichkeiten ausserhalb des schulischen Rahmens nach wie vor begrenzt. Doch gerade dort, jenseits der Schulmauern, hat ein vierjähriges Pilotprojekt in der Region Sierre die Entwicklung eines innovativen Interventionskonzepts ermöglicht. Das von zwei Sozialarbeitern in Zusammenarbeit mit dem Kanton Wallis und Gesundheitförderung Wallis getragene Projekt zielt darauf ab, allen Personen, die mit Jugendlichen in Kontakt stehen, ein zugängliches Instrument an die Hand zu geben. Gemeinsam mit einem Kollegen wollte die Sozialarbeiterin Amra Mujanovic vom Verein für Freizeit und Kultur in Sierre das Thema Mobbingprävention und die Förderung des Zusammenlebens so umfassend wie möglich angehen.
Der Ansatz basiert auf der Vernetzung verschiedener Akteure: Schulen, ausserschulische Betreuungseinrichtungen, schulmedizinisches Personal sowie der Bereich des öffentlichen Verkehrs. Die in der Region Sierre erzielten Ergebnisse – insbesondere hinsichtlich der Meldung von Mobbingfällen und der Begleitung von Familien – haben Rotary überzeugt, sich zu engagieren: Gemeinsam möchten die Walliser Clubs die Reichweite dieses Konzepts ausweiten, damit Gesundheitförderung Wallis dessen kantonsweite Verbreitung sicherstellen kann.
Bewährtes Konzept
Natürlich soll damit kein Ersatz für Präventionsfachleute geschaffen werden. Es geht vielmehr darum, ihnen die Möglichkeit zu geben, dieses bewährte Konzept bekannt zu machen und zu fördern – angefangen mit einer bedeutenden öffentlichen Konferenz, die von Rotary im Mai 2025 in Martigny organisiert wurde. Durch einen Beitrag von 50 Franken pro Mitglied konnte die beachtliche Summe von 30.000 Franken aufgebracht werden. Die an Gesundheitsförderung Wallis zugewiesenen Mittel, die an der Konferenz offiziell bestätigt wurden, ermöglichten insbesondere die Erstellung eines Sensibilisierungsvideos und eines Präsentationsflyers. Diese Materialien wurden seither in mehreren Gemeinden vorgestellt, darunter Fully, Martigny, Saxon, Monthey, Conthey, Nendaz, Savièse, Sion und Crans-Montana.
Angélique Wüthrich, Leiterin des kantonalen Aktionsprogramms für Kinder und Jugendliche bei «Gesundheitsförderung Wallis», freut sich über die positive Resonanz der Gemeinden auf das Präventionsprogramm. Fully, Saxon, Martigny und Nendaz haben sich zur Umsetzung verpflichtet und die Vereinbarungen bereits unterzeichnet; der Umsetzungsprozess ist im Gange. „Alle Gemeinden sind von dieser Problematik betroffen und sich bewusst, dass nur durch gemeinsames Handeln und sich ergänzende Massnahmen nachhaltige, konkrete und wirksame Lösungen gefunden werden können. Und genau das ermöglicht dieses Programm“, fasst Angélique Wüthrich zusammen.
Die soziale Vision neu überdenken
Das Engagement der Gemeinden ist umso bemerkenswerter, als einige von ihnen Investitionen tätigen müssen, um einen Sozialarbeiter vor Ort einzustellen; dies gilt beispielsweise für Saxon und Nendaz. Andere, die bereits über einen Sozialarbeiter verfügen, müssen einen zusätzlichen Prozentsatz an Arbeitszeit bereitstellen.
Angélique Wüthrich räumt ein, dass der erforderliche Personalaufwand ein Hindernis darstellen kann, betont jedoch, dass das Programm auch ein Mittel ist, um das gute Zusammenleben in der Gemeinde zu fördern und die verschiedenen Akteure im Jugendbereich zur Zusammenarbeit zu bewegen. In diesem Zusammenhang erwähnt sie die Gemeinde Nendaz, die ihre soziale Vision auf kommunaler Ebene neu überdenkt; vor diesem Hintergrund hat sie beschlossen, das Programm zur Prävention von Mobbing einzuführen. Sie integriert es als eines der Instrumente, um diese Vision weiterzuentwickeln und konsequent zu verankern.
Amra Mujanovic spricht von einem echten Mehrwert eines auf kantonaler Ebene harmonisierten Projekts, da es von allen Akteuren – sowohl Fachkräften als auch Opfern und sogar Politikern – besser verstanden und leichter angenommen werde. In diesem Zusammenhang erwähnt sie die gemeinsame Bewertungsgrundlage, insbesondere durch ein gemeinsames Bewertungsraster, das sehr geschätzt wird. „Das erleichtert die Kommunikation und stärkt die Qualität der Netzwerkarbeit. Die Fachkräfte schätzen zudem, dass das Projekt die Grenzen zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen aufbricht und eine stärker bereichsübergreifende Zusammenarbeit fördert, in der jeder seinen Platz findet und entsprechend seiner Rolle und seinen Kompetenzen einen Beitrag leisten kann.“
Ihrer Ansicht nach ermöglicht diese ganzheitliche Begleitung insbesondere eine schnelle Hilfe. „Als Sozialarbeiterin im Aussendienst kann ich tatsächlich in den verschiedenen Lebensbereichen tätig werden, sei es im Sport, in der Schule, an öffentlichen Orten oder auch zu Hause. Das erlaubt mir, die von mir betreuten Personen kohärenter und bedarfsgerechter zu begleiten.“
Von den 30'000 Franken, die Rotary für die Förderung des Interventionsprogramms bei den Gemeinden zur Verfügung gestellt hat, wurden bis Ende März 2026 etwas mehr als 16'000 Franken verwendet. Gesundheitsförderung Wallis plant, die verbleibenden Mittel für weitere Informationsveranstaltungen zu nutzen, um Gemeinden zum Mitmachen zu bewegen. 2026 ist zudem eine Informationsveranstaltung beim Walliser Jugendobservatorium geplant. Die bereits beteiligten Gemeinden entwickeln das Programm weiter und bereichern es; so wird beispielsweise der Erhebungsbogen derzeit überarbeitet, um auch Fragen für Lehrlinge aufzunehmen. Ein weiteres Beispiel für die Entwicklung von Instrumenten ist die Einrichtung von Workshops für Jugendliche in Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern der beteiligten Gemeinden.
Eliane Gaspoz vom RC Sion-Rhône, die an der öffentlichen Konferenz in Martigny gemeinsam mit François Bernard (RC Martigny) die Aktivitäten von Rotary im Wallis vorgestellt hat, freut sich über die Breite, die das Projekt angenommen hat: „Man befürchtet immer, dass der Schwung nachlässt, sobald die Aufregung des Starts vorbei ist. Aber wir stellen fest, dass sich Gesundheitsförderung Wallis stark engagiert hat und dass die Ergebnisse unsere Erwartungen übersteigen.“
Angélique Wüthrich ihrerseits bedankt sich ganz herzlich bei den Walliser Rotary Clubs. „Die Botschaft des Projekts lautet ‚Lasst uns alle gemeinsam handeln!‘, und die Unterstützung durch Rotary hat wirklich dazu beigetragen, diese Botschaft bei Fachleuten wie Sozialarbeitern und Gemeindevertretern zu verbreiten. Der Flyer und das Video waren echte Kommunikations- und Präsentationsinstrumente für diese Fachleute und haben uns Türen geöffnet.“
Amra Mujanovic pflichtet ihr bei. Sie ist überzeugt, dass die Ausweitung des Projekts dessen Sichtbarkeit und Wirksamkeit stärken wird. Und da es gemeinsam mit den Partnern entwickelt wurde, ist es in der Lage, konkret auf die Realitäten und Bedürfnisse vor Ort einzugehen. „Es wurde konzipiert, um den Opfern eine ganzheitliche und systemische Betreuung zu bieten. Dieser Ansatz verhindert eine Vielzahl von Beteiligten und begrenzt das Risiko von Erschöpfung oder Überlastung bei den betreuten Personen“, fasst Amra Mujanovic zusammen.
So gelingt es Rotary, die Lebensbedingungen in der jeweiligen Region der Clubs zu verbessern. Das ist das Besondere am Gemeindienst: Er ist oft am wirkungsvollsten, wenn die Clubs ihre Region gut kennen und Partnerschaften pflegen, wie es bei der Gesundheitsförderung Wallis der Fall ist. Dank der Clubs entstehen zahlreiche Projekte, sei es in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, Gemeinden oder anderen Clubs. Rotary stellt nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung, sondern auch Zeit, Fachwissen und Zuverlässigkeit.
Das Foto zu diesem Artikel veranschaulicht dies perfekt anhand der Anzahl der an dem gemeinsamen Projekt beteiligten Akteure: Zu sehen sind (v. l. n. r.)
Eliane
Gaspoz, RC Sion-Rhône, Bernard Moix,
RC Sion, Amra Grisevic Mujanovic, Sozialarbeiterin,
François
Bernard, RC Martigny, Angélique Wüthrich, Gesundheitsförderung Wallis, Joëlle
Payom, RC Genève International, und Maël Roth, RC Chablais.ch. Es fehlen Isabelle Evequoz, RC Crans-Montana, und der verstorbene Eric Voutaz, RC Verbier.
Auf einen Blick: Die fünf rotarischen Dienste
• Clubdienst Stärkt das Clubleben und die Freundschaft unter den Mitgliedern.
• Berufsdienst Verbindet berufliche Kompetenz, Integrität und soziale Verantwortung.
• Gemeindienst Handelt dort, wo Rotary präsent ist, d. h. im lokalen Umfeld.
• Internationaler Dienst Fördert Verständnis, Zusammenarbeit und Frieden über Grenzen hinweg.
• Jugenddienst Unterstützt junge Menschen in ihrer Entwicklung und bei der Übernahme von Verantwortung.