Der Avenues of Service Award rückt jene Rotarier ins Licht, die über
viele Jahre hinweg Verantwortung übernehmen und Projekte am Leben halten.
Als DG Andrea Weber Ende Oktober Rot. Jürg Hofmann vom RC Winterthur Kyburg auszeichnete, war schnell klar, dass es sich um mehr als eine persönliche Ehrung handelte. Die Verleihung rückte eine Auszeichnung ins Licht, die international hohes Ansehen geniesst, in der Schweiz jedoch weitgehend unbekannt ist: den Avenues of Service Award. Während der Paul Harris Fellow zu den geläufigen Formen rotarischer Anerkennung zählt, bleibt dieser Preis ein leiser, aber bedeutender Hinweis darauf, was Rotary im Kern ausmacht – eine langfristige Haltung, die sich über viele Bereiche hinweg zeigt und oft im Stillen wirkt.
Der Award wird von Rotary International an Mitglieder von Rotary und Rotaract verliehen, die sich in allen fünf Dienstzweigen engagiert haben. Clubdienst, Berufsdienst, Gemeindienst, internationaler Dienst und Jugenddienst: Es geht nicht darum, in einem dieser Bereiche herauszuragen, sondern darum, Rotary in seiner ganzen Breite zu leben. Nominiert werden die Kandidatinnen und Kandidaten durch die District Governors; geprüft werden die Vorschläge dreimal jährlich. Wer ausgezeichnet wird, erhält eine Kristalltrophäe und eine Anstecknadel – bescheiden im Auftritt, aber von grosser Aussagekraft.
Ein Engagement über Jahrzehnte
Dass Jürg Hofmann diese Auszeichnung erhielt, überrascht nicht. Seit mehr als zwanzig Jahren organisiert er im Kyburger Wald den «Grünen Samstag», eine Naturschutzaktion, die längst zu einem festen Bestandteil des Clubjahres geworden ist. 2002 auf seine Initiative hin gestartet, pflegen Mitglieder des RC Winterthur Kyburg seither jedes Jahr Ende September Moorflächen und Waldränder. Unter seiner Leitung werden Wege freigeschnitten, Böschungen gemäht und Pflegemassnahmen umgesetzt, die den Wald langfristig stabilisieren und vielen Pflanzenarten Raum geben.
Hofmann selbst, pensionierter, aber weiterhin leidenschaftlicher Landschaftsarchitekt, sorgt nicht nur für die Koordination der Einsätze, sondern auch für die Materialorganisation. Von Sensen und Rechen bis zu Kleinmaschinen und Fahrzeugen: Ohne ihn wären viele dieser Arbeiten kaum realisierbar. Sein eigener Lohn? Eine beiläufige Bemerkung am letzten Einsatz: «Es ist schön zu sehen, wie sich der Hang nach langen Jahren der Pflege entwickelt hat und wieder Raum für kleinere Pflanzen schafft.»
Warum der Award mehr Beachtung verdient
Der Avenues of Service Award rückt jene Rotarier in den Fokus, die sich nicht nach vorne drängen, sondern verlässlich wirken. Er würdigt diejenigen, die Projekte über Jahre hinweg tragen, Verantwortung übernehmen und den rotarischen Gedanken in den Alltag übersetzen. Für die Schweiz ist das mehr als eine Formalität. In einem Umfeld, in dem viel Engagement im Verborgenen stattfindet und oft nur die grossen Projekte Schlagzeilen machen, erinnert dieser Preis daran, dass Rotary vor allem durch konstantes, unaufgeregtes Tun lebt.
Die Auszeichnung von Jürg Hofmann zeigt genau das. Nicht durch grosse Worte, sondern durch konsequente Präsenz, durch Geduld, durch Zuverlässigkeit. Sie lenkt den Blick auf eine Form von Dienst, die innerhalb der Clubs wirkt und weit über die einzelnen Projekte hinausreicht. Vielleicht ist es an der Zeit, diesem Preis in der Schweiz mehr Aufmerksamkeit zu schenken – nicht nur, um herausragende Mitglieder zu ehren, sondern auch, um eine Kultur der Anerkennung zu stärken, die dem inneren Wesen von Rotary entspricht.
Zusammengefasst: Der Avenues of Service Award ist eine Auszeichnung von Rotary International für Mitglieder von Rotary und Rotaract, die sich über eine lange Zeitdauer hinweg in allen fünf Dienstzweigen engagiert haben. District Governors können pro Rotary-Jahr bis zu 30 Nominierungen einreichen. Die Bewerbungen werden dreimal jährlich beurteilt – im Oktober, April und Juli. Geehrte erhalten eine Anstecknadel und eine Kristalltrophäe, überreicht durch den Governor.