Die neuen Generationen als Herausforderung für Rotary

Sonntag, 1. Februar 2026

François Bernard

In vielen Rotary Clubs steigt das Durchschnittsalter. Das ist an sich kein Grund zur Sorge. Es zeugt von seltener Treue und wertvoller Kontinuität. Aber es regt zum gemeinsamen Nachdenken an.

Wie können wir mehr Frauen und jüngere Männer integrieren, ohne die DNA von Rotary aufzugeben, die aus dem Dienst am Nächsten, Ethik und dauerhaften Beziehungen besteht? Die jungen Erwachsenen von heute scheuen sich nicht vor Engagement. Sie erwarten jedoch eine andere Form. Es ist ihnen wichtig, möglichst rasch den Sinn ihres Engagements zu verstehen, die konkreten Auswirkungen von Projekten einschätzen zu können und Beruf, Familie und Vereinsleben miteinander vereinbaren zu können.

Rotary verfügt hier über einen erheblichen Vorteil, vorausgesetzt, man macht ihn sichtbar. Allerdings gilt es zu wissen, wo die Suche anzusetzen ist.

Lebendige Verbindung zu Rotaract

Es gibt Nachwuchspools. Rotaract ist eine natürliche Brücke zu Rotary, die allzu oft nicht ausreichend genutzt wird. Ehemalige Rotaracter kommen an einen Punkt in ihrem Leben, an dem ihr Engagement eine neue Ebene erreicht. Clubs, die eine lebendige Verbindung zu ihrem lokalen Rotaract-Club pflegen, schaffen eine nahtlose und kohärente Kontinuität. Der Ausschuss für Mitgliederwerbung könnte eine Strategie entwickeln, die auf die Region und die Ziele des Clubs zugeschnitten ist. Das muss geplant und organisiert werden.

Verwandte Kreise

Andere Netzwerke bieten offensichtliche Berührungspunkte. Die Junge Wirtschaftskammer oder die Junior Chamber International Switzerland (JCI), Vereinigungen junger Geschäftsleute, Netzwerke von Selbstständigen, gemischte oder branchenspezifische Berufskreise.

Nicht zu vergessen sind kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Milieus, in denen ehrenamtliches Engagement bereits eine Selbstverständlichkeit ist und zu denen sich die philanthropische Komponente von Rotary gesellt. Auf sie zuzugehen, sie zur Teilnahme an einer Aktion einzuladen, ihnen vor einer formellen Mitgliedschaft eine Erfahrung anzubieten, ist oft der erste entscheidende Schritt. Gemeinsame Aktionen können Rotary auch für neue Mitglieder attraktiv machen.

Formate und Finanzen

Die Form ist genauso wichtig wie der Inhalt. Dynamische Treffen, sichtbare Projekte, klare Kommunikation, Flexibilität. Clubs, die es wagen, ihren Rhythmus anzupassen, ihre Formate zu diversifizieren und neuen Mitgliedern zu vertrauen, stärken ihre Attraktivität, ohne sich selbst zu verleugnen. Die generationsübergreifende Zusammenarbeit wird so zu einer Stärke statt zu einem fragilen Gleichgewicht.

Auch die Frage der Finanzen sollte klar und ohne Tabus angesprochen werden. Für Frauen und Männer, die am Anfang oder in der Mitte ihrer beruflichen Laufbahn stehen, oft mit dem Aufbau einer Karriere beschäftigt sind und manchmal eine noch junge Familie haben, können die Beitragszahlungen für Rotary ein echtes Hindernis darstellen. Einige Clubs, die traditionell hohe Beiträge verlangen, stellen sich zu Recht die Frage, wie attraktiv sie für jüngere Menschen sind. Es gibt jedoch Lösungsansätze: Ratenzahlung der Beiträge, reduzierte Beiträge während der Integrationsphase, vorübergehende Anpassung der finanziellen Beteiligung oder schrittweises Engagement in Aktionen vor einer vollständigen Mitgliedschaft.

Diese Flexibilität schwächt Rotary nicht, sondern macht die Organisation gerechter und bringt sie besser in Einklang mit den heutigen Gegebenheiten. Vor allem erinnert sie daran, dass die Mitgliedschaft in erster Linie auf Engagement, Zeit und Einsatz basiert und nicht auf der unmittelbaren Beitragsfähigkeit. Einen Club zu verjüngen bedeutet nicht, sich zu verbiegen, um zu gefallen. Es bedeutet, seiner Berufung treu zu bleiben. Heute dienen, gemeinsam mit denen, die morgen gestalten werden.

Erfahrungsberichte

Der 37-jährige Rotarier Adrien Bellenger vom RC Genève, Kadermitglied im Bankensektor, berichtet über seine Erfahrungen: «Ich habe Rotary ganz zufällig bei einer Lebensmittelsammlung für Obdachlose entdeckt. Ich stellte mir etwas sehr Formelles vor, traf aber engagierte Berufsleute, die wichtige Werte wie Dienen, Ethik, Solidarität und Freundschaft teilen. Ich habe mich sofort mit diesen humanistischen Werten identifizieren können. So habe ich mich entschlossen, mich konkret für lokale und internationale Anliegen einzusetzen und gleichzeitig bereichernde menschliche und berufliche Beziehungen aufzubauen. Man hat mir schnell Projekte und Verantwortung übertragen, wobei meine beruflichen und familiären Verpflichtungen berücksichtigt wurden. Diese Mischung aus Erfahrung und Energie hat mich dazu motiviert, mich zunächst in den Vereinigten Staaten, dann in Frankreich und jetzt in der Schweiz langfristig zu engagieren.

Die 39-jährige Rotarierin Murielle Nussbaum vom RC Lausanne-Rives, Unternehmerin und Leiterin Kommunikation, spricht über die Chance, die ihr Rotary geboten hat, Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen kennenzulernen. „Ich profitiere von ihren Erfahrungen, ihrem Engagement und ihren Ratschlägen und habe mich dort immer unterstützt gefühlt. Als Vielreisende habe ich überall auf der Welt offene und wohlwollende Clubs entdeckt, die ein einzigartiges Netzwerk von Menschen bilden.“

Rot. Murielle Nussbaum, RC Lausanne-Rives

Rot. Adrien Bellenger, RC Genève